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Zeitzeugenbericht 2. Weltkrieg

Kurzfristig war es erneut möglich, dass die Schüler und Schülerinnen der Klassen 9a, 9b und 9c an den Erfahrungen und Erlebnissen eines Zeitzeugen teilhaben konnten. Am 29. Mai versammelten sie sich nach der Mittagspause in der Aula.

Kurz nach 13.10 Uhr betrat Herr Dr. Gerhard Sieger die Aula mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen, das sich fast während des gesamten Gesprächs hielt. Nach einer kurzen Begrüßung begann er mit seiner abwechslungsreichen und chronologischen Erzählung, um uns eine Basis für unsere Fragen zu geben.
Der heute 84-Jährige wurde in Dresden als Sohn einer Näherin geboren. Einen Tag nach seinem 15. Geburtstag, am 20. Juli 1944, erfolgte das Stauffenberg-Attentat. Viele begannen daraufhin an Hitler und seiner Regierungsführung zu zweifeln, jedoch wussten Dr. Sieger und seine Schulfreunde zu diesem Zeitpunkt noch nichts von den Unterschieden zwischen Diktatur und Demokratie. Etwa zehn Monate später wurde er vier Wochen lang Anführer einer Soldatentruppe, die beim Einmarsch der Sowjets auf- und umverteilt werden sollte. Die Jungen  machten sich allerdings lieber auf den Weg zu den Amerikanern bzw. nach Hause. Seine Wege meisterte Dr. Sieger auch in dieser Situation  mit seinem Fahrrad, welches er beim Einmarsch der Sowjets unfreiwillig gegen ein nach seiner Einschätzung besseres „tauschen“ musste. Er betonte: Trotz allem habe er Zeit seines Lebens noch nichts Lebendiges selbst getötet.
Nach dem Krieg wurde er wegen politischer Reden, welche er im Rahmen seiner Aktivitäten für die Liberale Deutsche Partei in der Sowjetischem Besatzungszone hielt, für sechs Jahre in Gefängnisse der Sowjets bzw. der späteren DDR gebracht. In dieser Zeit starben sowohl seine Freundin durch einen Verkehrsunfall als auch seine Mutter.
Aufgrund seiner Redegewandtheit, seiner „Sprache“, sei er immer relativ leicht durchs Leben gegangen, was Herr Sieger mit Beispielen unterlegte.
Aber es war nicht immer einfach. Seine Stimme bebte, als er von brennenden Leichen, die durch den Bombenangriff am 13. Februar 1945 in Dresden getötet worden waren, und von dem Spießrutenlauf (ein Lauf, bei dem man schikaniert und verletzt wird) während seiner Gefängniszeit sprach.
Unter anderem wegen seines Berufes als politischer Referent und aufgrund fehlender Familie sei er viel in Europa gereist und habe wichtige Persönlichkeiten kennen gelernt. Deshalb denke er, dass alle Menschen gleichwertig und höchstens durch ihre Sprachfertigkeit zu unterscheiden seien.
Auf unsere Fragen,die sich besonders auf die Zeit vor dem Krieg und die Zeit im Gefängnis bzw. die Zeit nach der Entlassung in den Westen bezogen, antwortete er gern, schweifte aber hin und wieder zu anderen Details ab, sodass wir weitere spannende Geschichten erfuhren. 1947 zum Beispiel reiste er zwecks Studienplatzsuche durch West-Deutschland. Die Züge waren dauerüberfüllt, nur die Alliierten-Abteile waren frei. Er setzte sich hinein und wurde im Gegensatz zu anderen deutschen Fahrgästen nicht verscheucht, weil er in ein Gespräch mit einem Offizier, der ihn durchschaut und seine Herkunft herausgefunden hatte, aber durchaus freundlich war, vertieft war.
Am Ende der 90-minütigen Veranstaltung, die mit großem Applaus endete, erteilte Dr. Sieger uns, wie er es nannte, eine Lektion:
            Ihr alle, auch ich, habt drei Feinde
            und ihr alle, auch ich, habt drei Freunde,
            haltet euch an sie und euch wird es gut gehen.
Diese Feinde seien Alkohol, Nikotin und Drogen, wogegen die Freunde Natur, Kunst und Wissenschaft seien. Bei Befolgung dieses Rats solle uns ebenfalls ein erfülltes Leben zuteil werden, wünschte Herr Sieger abschließend.

(geschrieben von Stella Grober, Daniela Bogdanova und  Kyra Redecker; 9a)

 

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