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Anne-Frank-Haus

Dienstag, 10. Januar, 7:30 Uhr, Domhof. Selbstverständlich kommt der Bus zu spät. Der Kurs steht in der Kälte und fragt sich, ob man nicht eine halbe Stunde länger hätte schlafen können. Als der Bus um 8 Uhr endlich eintrifft, ist die Stimmung ein Gemisch aus Müdigkeit und Vorfreude.

Der Bus braucht etwas über drei Stunden, um die Stadt in Nordholland zu erreichen. Wieder heißt es warten, diesmal auf Einlass in das Anne-Frank-Haus, welches recht zentral an einer großen Gracht und einer schmalen, aber aggressiv befahrenen Straße gelegen ist, neben einer großen Kirche. Von außen sieht man dem Komplex durch die für Gedenkstättengebäude oftmals typische moderne Fassade seine Geschichte nicht an, wie auch? Es ist ein Gebäude in einer Seitenstraße, das Originalgebäude. Die Fassade, die moderne Aufmachung will nicht recht zum Thema passen, zu der Anne Frank, die hier gelebt hat, in einer dunklen, versteckten und vor allem kleinen Wohnung.

Die Einführung ins Thema erfolgt durch eine deutsche FSJlerin. Der Vortrag ist abgestimmt auf die beiden Leistungskurse, denen man den Aufstieg der Nationalsozialisten nicht mehr erklären muss. Stattdessen geht sie auf Details, auf niederländische Besatzungspolitik und auf die Familie genauer ein, sodass jeder etwas findet, das er für sich mitnehmen kann. Es folgt der aber spannendere Teil des Ausflugs: der Besuch des Originalhauses. Die Gänge sind eng, es ist voll, vieles wurde bereits erzählt. Dennoch schafft es die Ausstellung, das Leben der Anne Frank lebendig darzustellen. Man kann sich vorstellen, wie die 14-jährige Anne Frank durch genau dieses Loch hinter dem Schrank gestiegen ist, an dem man sich nun den Kopf stößt. Es ist eine Lebendigkeit des Ortes; die leere Wohnung kann die Emotionen dennoch transportieren.

Wie in den meisten Museen und Gedenkstätten gibt man sich im Anne-Frank-Haus modern. Eine 3D-Tour vom heimischen Sofa ist schon länger möglich, am Ende soll ein großer Multimedia-Raum mit Zitaten, Erzählungen von berühmten Persönlichkeiten (Whoopi Goldberg, Steven Spielberg) und Einträgen ins Gästebuch, die per Beamer an die Wand geworfen werden, das Publikum faszinieren und schafft das auch weitestgehend. Ein US-Veteran schrieb beispielweise: „Nun weiß ich, wofür ich in der Normandie und bis zur Elbe gekämpft habe.“ Ein anderer stellt Anne Frank als Symbol aller Unterdrückten dar; das verleiht der Präsentation eine seltsame Note: Anne Frank, die bekannt und ehrenwert ist, weil sie Tagebuch führte und es veröffentlicht wurde, wird, so kann man es auffassen, teilweise als heroisch inszeniert. Die Wahrnehmung der Gedenkstätte hat auch etwas mit der Erwartung des Betrachters zu tun.

Die Zeit ist gut bemessen, das Haus interessant. Am Ende ist der Besucher erfüllt von Anne Frank, die Neugier befriedigt und an dem Punkt endet der Rundgang. Das Anne-Frank-Haus muss man besucht haben - dieses Gefühl begleitet beim Rundgang und bestimmt die Gästebücher.

2017-02-01 Anne-Frank-Haus 02

Auf den historischen Teil der Exkursion folgt Freizeit in der Stadt, die ein angenehmes Kontrastprogram zur Gedenkstätte ermöglicht. Amsterdam bietet mit dem Reijksmuseum etwas für historisch Interessierte, mit Kirchen und vielen wichtig aussehenden Gebäuden auch etwas für Kultur-Touristen; gleichzeitig lädt die Stadt dazu ein, einfach durch die Gassen und Grachten zu schlendern, sich in einen Park zu setzen und das Treiben zu beobachten, die Stadt und seine schönen Häuser zu entdecken. Zwar sieht jede Ecke gleich aus, aber niemals hat man das Gefühl, sich in dieser Stadt nicht wohl zu fühlen - höchstens, wenn man knapp dem Tod durch Fahrrad-Fahrer entkommen ist, aber davor hatte die Lehrerin ja gewarnt. Wer nicht hören will oder so ähnlich…

Als der Bus sich auf den Rückweg macht, ist er pünktlich. Im Bus ist es seltsam still, alle sind erschöpft und müde, was meist ein positives Zeichen für einen Schulausflug ist. Der Film „Inglourious Basterds“ weiß zwar die filmkritischen Gemüter der Lehrkräfte eher weniger zu entzücken, sorgt aber wenigstens für angenehme Ruhe. Hätte das Publikum geahnt, dass sie der Film in den folgenden Geschichtsstunden als Unterrichtsgegenstand verfolgen würde, hätte es wohl anders abgestimmt.
Jonas Koch Jg. 12)

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