Ursulaschule Osnabrück

rss

Zeitzeugin Erna de Vries

Am 7. November 2016 besuchte uns die jüdische Zeitzeugin Erna de Vries und erzählte uns, den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10, von ihren Erfahrungen und ihrem Leben zur Zeit des Nationalsozialismus und des Holocausts.

Seit 1998 berichtet Frau de Vries von ihrer Geschichte an Schulen und Bildungsstätten und vermittelt somit jungen Menschen einen Eindruck von dem Nationalsozialismus. Dies tut sie, trotz ihres hohen Alters von 93 Jahren, sehr aktiv. 2014 bekam sie das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Sie wurde 1923 in Kaiserslautern als Tochter einer Jüdin und eines evangelischen Christen geboren und wuchs dort unter „normalen“ Umständen auf. Ihr Vater verstarb jedoch als sie acht Jahre alt war, was die Bindung zu ihrer Mutter stärkte.
Nachdem es am 30. Januar 1933 zur „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten gekommen war, verschlimmerten sich die Lebensbedingungen von Erna de Vries und ihrer Mutter, sie waren ständigen Anfeindungen ausgesetzt. In der „Pogromnacht“ vom 9. November 1938 wurde ihre Wohnung vollkommen zerstört und im Juli 1943 kam es dann zur Deportation ihrer Mutter. Als Erna de Vries dies damals erfährt, bittet sie die Beamten, ihre Mutter begleiten zu dürfen. Auf wiederholte Nachfrage der Beamten, ob sie wirklich ihrer Mutter nach Auschwitz folgen möchte, blieb sie standhaft und bejahte, obwohl sie wusste, dass dies ihren Tod bedeuten würde.

In ihrer Erzählung beschrieb Erna de Vries die schlimmen Zustände, unter denen sie, ihre Mutter und viele weitere Insassen zu arbeiten hatten. Nach ungefähr zwei Monaten wurde sie bei der Selektion aussortiert und als arbeitsuntauglich auf Grund einer Infektion eingestuft und somit in den Todestrakt verlegt. Sie verbrachte dort eine Nacht mit dem Gewissen, dass es ihre letzte sein wird.

Als am nächsten Morgen Juden zur Vergasung auf einen Transporter aufgeladen werden sollten, rief im allerletzten Moment ein Beamter ihre Nummer, die auf ihrem Arm tätowiert war. Sie wurde von dem Geschehen weggezogen und auf Grund ihrer halb christlichen, halb jüdischen Herkunft in das Konzentrationslager Ravensbrück verlegt. Sie sah ihre Mutter ein letztes Mal und diese gab ihr die Worte „Du wirst überleben und erzählen, was sie uns angetan haben“ mit auf den Weg. Kurz darauf wurde auch ihre Mutter in den Todestrakt verlegt und vergast.

In Ravensbrück erging es Erna de Vries im Verhältnis deutlich besser, jedoch musste sie auch dort körperlich sehr harte Arbeiten verrichten. Als sich 1945 die Grenzen der Front stark ins Landesinnere verschoben, wurde das Konzentrationslager in Ravensbrück geräumt und die Häftlinge auf den sogenannten „Todesmarsch“ geschickt. Wegen des langen und anstrengenden Weges und des schlechten körperlichen Zustandes der Menschen überlebten viele diesen Marsch nicht. Auch Erna de Vries war kurz davor aufzugeben, jedoch wurde sie durch die Motivation ihrer Freundinnen darin bestärkt, weiter zu laufen. Als sie am Ende ihrer Kräfte war, hörte sie Jubelschreie und dann sah sie es auch: amerikanische Panzer. Sie war frei! In der Nachkriegszeit hielt sie sich eine Zeit lang mit Betteln über Wasser und lernte ihren Mann kennen.

Insgesamt war der Vortrag sehr spannend und überaus interessant. Anhand der Erzählungen haben wir einen vagen Eindruck der Grausamkeit und Unmenschlichkeit des Holocausts erhalten. Obwohl Erna de Vries „nur“ zwei Monate in Auschwitz war, wurde sehr klar, wie schrecklich die Lebensumstände dort gewesen sein müssen, da ihr Leben noch heute davon beeinflusst und sie daran erinnert wird. Auch ihre Nummer am Arm, die sie ihr Leben lang begleitet hat, lässt sie jeden Tag an Auschwitz zurückdenken und ist Zeugnis des Leides, welches sie dort erfahren musste. Für uns ist es schwer vorzustellen, dass diese Frau tatsächlich das erlebt hat, worüber wir uns bisher nur mit Quellen auseinandergesetzt haben.  

Wir denken, dass keiner von uns diesen Vortrag je vergessen wird und in 20 Jahren dies schätzend sagen kann, dass man jemanden getroffen hat, der all das was in den Geschichtsbüchern steht, erlebt hat. Deswegen sollte man jetzt die Chance ergreifen und sich solche Vorträge anhören. Hinter all den Daten und Fakten steht ein Mensch, der dieses Grauen miterleben musste. Man fühlt all das, was diese Person erlebt hat mit. Man ist durch den Kontakt eines Zeitzeugen viel näher an dem Geschehen dran und bekommt eine ganz andere Beziehung zu dem geschichtlichen Hintergrund. In diesem Zeitzeugengespräch haben wir mehr gelernt als in einer gewöhnlichen Geschichtsstunde. Besonders beeindruckend war auch, dass Frau de Vries keinerlei Hass auf die Deutschen verspürt. Wir bedanken uns in Namen aller herzlich bei Erna de Vries und hoffen, dass sie noch viele weitere Vorträge halten wird.

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Impressum

Ursulaschule Osnabrück

Kleine Domsfreiheit 11-18
49074 Osnabrück
Telefon: 0541 - 318701
Fax: 0541 - 318711
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Schulleiter: Rolf Unnerstall

Schulträger

Schulstiftung im Bistum Osnabrück
Domhof 2
49074 Osnabrück

Zufällig

  • 1
  • 2
  • 3
Zurück Vor
Sprachdiplom Französisch an der Ursulaschule

Sprachdiplom Französisch an der Ursulaschule

 DELF ist die Abkürzung für Diplôme d'Etudes en Langues Françaises. Dieses Diplom wird vom Ministère de...

Weiterlesen
Basketballfieber

Basketballfieber

In einer zweitägigen Ausbildung erwarben elf Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen der Ursulaschule die Qualifikation...

Weiterlesen
Zurück aus Angers

Zurück aus Angers

Bei hochsommerlichen Temperaturen verbrachten einige Schüler der Klassen 9b/9c eine Woche bei Gastfamilien in Angers. Besonders...

Weiterlesen

Neu

  • 1
  • 2
  • 3
Zurück Vor
An die Waffeleisen, fertig … LOS!

An die Waffeleisen, fertig … LOS!

Am Dienstag, 6. März, starteten wir, die Klasse 6e, eine Spendenaktion. Im Haus 5 verkauften wir...

Weiterlesen
USA-Reise

USA-Reise

Unser erster Tag in Washington ist nun vorbei. Nach einem ruhigen Flug und einer langen Wartezeit...

Weiterlesen
Erfolgreiche Handysammelaktion

Erfolgreiche Handysammelaktion

Liebe Schulgemeinschaft, am 13. März 2018 sind wir, die Klimabotschafter, durch Eure Klassen gegangen, um Eure...

Weiterlesen

Beliebt

  • 1
  • 2
  • 3
Zurück Vor
Fünf Rennen, vier Siege, drei zweite Plätze

Fünf Rennen, vier Siege, drei zweite Plätze

Am 8. Oktober 2014 fand der jährliche Staffeltag der Osnabrücker Schulen auf der Illoshöhe statt. Wie...

Weiterlesen
Bericht von der Wasserski- und Wakeboard AG

Bericht von der Wasserski- und Wakeboard AG

In diesem Schuljahr fand erstmals eine Wasserski- und Wakeboard AG an der Ursulaschule statt. Für die...

Weiterlesen
Kulinarisches Rahmenprogramm beim Sommerkonzert

Kulinarisches Rahmenprogramm beim Sommerkonzert

In diesem Jahr gab es anläßlich des Sommerkonzertes ein tolles Rahmenprogramm auf dem Schulhof der Ursulaschule.

Weiterlesen
Copyright © 2013 Ursulaschule Osnabrück. Alle Rechte vorbehalten.