Ursulaschule Osnabrück

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„Als ob man einen Moment lang Gott wäre.“

Am 13. April lud die Ursulaschule zu einer Lesung mit anschließender Diskussion ein. Fünf Ursulaschüler lasen „Ein Morgen vor Lampedusa“. Im Anschluss berichtete ein Flüchtling von seiner Flucht aus Somalia. An der abschließenden Diskussion nahmen Osnabrücks Integrationsbeauftragte Seda Rass-Turgut, Theo Paul, Generalvikar im Bistum Osnabrück, und Andreas Neuhoff von „Exil – Zentrum für Flüchtling e.V.“ teil.

„Wir akzeptieren nicht, dass Tausende an Europas Grenzen sterben."
(José Manuel Barroso, bis 2014 Präsident der Europäischen Kommission, 2013, angesichts der Katastrophe vor Lampedusa 2013)

„Zuflucht ist ein Menschenrecht. Das aber scheinen vor allem Länder einzulösen, die selbst zu den armen Staaten gehören. Von den weltweit rund 43 Millionen Menschen auf der Flucht werden 80 Prozent in benachbarten Ländern aufgenommen.“ Was die Caritas International auf ihrer Homepage betont, führte bislang nicht dazu, dass sich die europäischen Regierungen auf eine Neuauflage des humanitären Rettungsprogramms „Mare nostrum“ einigen konnten. Deshalb beließ man es bisher bei Worten und Ritualen. Unter dem Druck der Ereignisse haben sich allerdings die Regierungschefs zum Gespräch auf den 23. April verständigt. Andrerseits plant, wie unter anderem der Osnabrücker Verein „Exil“ betont und auf seiner Homepage aufzeigt, die Bundesregierung zurzeit eine Neufassung zum Bleiberecht vor, der die bisherige Abschieberegelung verschärfen will. Der Verein rief in diesem Zusammenhang zu einer Aktionswoche im April auf.

Internationale Organisationen beziffern die Zahl der Opfer auf dem Mittelmeer seit der Jahrtausendwende auf mindestens 20.000: ertrunken, erfroren, an Entkräftung gestorben. Allein von Juli bis September 2014 starben im Mittelmeer nach Auskunft von UNHCR, der UNO-Flüchtlingshilfe, „mindestens 2200 Menschen“ auf der Flucht. Diese Statistik ist unvollständig; die Dunkelziffer höher. Die UNHCR weist auf ihrer Homepage auf weitere Zahlen hin, untersucht Gründe für die Flucht, ruft zur Geschlossenheit der europäischen Staatenlenker auf und bittet um Hilfe für die Flüchtlinge – Hilfe, die, wie die UNHCR aufzeigt, jeder von uns leisten kann.

In diesem Jahr versuchten bereits 165.000 Flüchtlinge die rettenden Ufer Europas zu erreichen. Über 10.000 Menschen landeten allein in der vergangenen Woche an Europas Küsten. Doch eine rasend schnell wachsende Zahl schafft es nicht; inzwischen erreichen uns dazu fast täglich neue Informationen: Ein Schiff kenterte in der Nacht zum 19. April. Unklar ist die Zahl der Toten, von über 800 ist die Rede. Dies ist das bisher größte Unglück, denkt man allein an die Zahl der Verstorbenen. Denn fast alle werden vermisst, kaum einer konnte gerettet werden. Über 400 Flüchtlinge starben Mitte der vergangenen Woche, als ein ins Schwanken gekommenes Boot kenterte.

2015-04-24 Lampedusa 03

Die Bürgermeisterin von Lampedusa wies bereits vor Wochen angesichts eines neuerlichen Unglücks vor Lampedusa im Februar 2015 mit über 100 Toten verzweifelt und zornig darauf hin, dass aufgrund der Einsparungen der Europäischen Union und der finanziellen Kürzung des Rettungsprogramms 2014 mehr als 3000 Opfer zu beklagen sind. Doch noch immer versucht eine nicht geringe Zahl von Politikern den Fokus der Aufmerksamkeit ganz auf die Kriminalität der Schlepperbanden zu richten, als sei damit der Sache der Toten und Flüchtlinge entscheidend gedient.

Am 13. April versuchten drei Schüler und zwei Schülerinnen, Eva Borges, Nils Bünger, Timon Drogies, Liam Nossek und Katharina Prigge, den Opfern der Katastrophe vor Lampedusa 2013 ihre Würde zurückzugeben, Namen zu nennen und daran zu erinnern, dass keine Statistik der Welt fassen kann, was geschah und nach wie vor zunehmend geschieht. Auch Zeugen des Untergangs vor Lampedusa wurden zitiert und Vertreter italienischer Behörden. Und sogenannten „einfachen“ Leuten, den Fischern, die ihr Leben einsetzten, um die Ertrinkenden zu retten – verzweifelt, dass sie so viele sterben lassen mussten, weil die Kräfte nicht reichten – wurde Stimme gegeben. Domenico, einer der Fischer von Lampedusa, weiß mit seiner Verzweiflung kaum einen Weg zu finden: „In diesem Augenblick bist du es, der entscheidet, wen du festhältst und welchen anderen du sterben lässt. Als ob man einen Moment lang Gott wäre.“

„Wo war das Europa der Menschenrechte, das Europa der vielen Kulturen, das Europa, aus dem Millionen von Menschen selbst die Erfahrung als Auswanderer gemacht haben?“ hieß es gegen Ende der Lesung.

Es waren viele, über 300 Gäste, die der Einladung zur szenischen Lesung folgten: Schüler und Schülerinnen der Ursulaschule, aber auch anderer Schulen, Lehrer, Mitarbeiter von Hilfs- und Flüchtlingsorganisationen („Exil“, „Bündnis gegen Abschiebung“ und andere), auch Flüchtlinge, von denen einer von sich erzählte und sich Fragen aus dem Publikum öffnete.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion fanden im Wesentlichen zu einem Nenner und hoben die Rechte der Flüchtlinge hervor. Die Integrationsbeauf-tragte der Stadt Seda Rass-Turgut wies auf den Einsatz hin, den Osnabrück weiterhin leisten werde, um die Flüchtlinge aufzunehmen und human zu begleiten. Generalvikar Theo Paul unterstrich den humanitären Charakter, betonte, dass allen Flüchtlingen ein Platz zustehe und dass sie gebraucht würden. Er erinnerte an den Besuch des Papstes auf Lampedusa. Andreas Neuhoff, der Vorsitzende des Vereins „Exil“, teilte die Hinweise, warnte auf Anfrage des Moderators Dr. Tobias Romberg allerdings davor, unaufmerksam zu werden, nicht zu sehen, dass mit zunehmendem Strom an Flüchtlingen die bisher hohe Bereitschaft, Flüchtlinge willkommen zu heißen, in Teilen kippen könnte, je nach Agitation rechtspopulistischer Gruppen.

Von Katharina Prigge, die zusätzlich zu ihrer Aufgabe als Vorleserin an der Seite Dr. Rombergs die Aufgabe übernommen hatte zu moderieren, kam der Anstoß zur Diskussion über die Abschiebepraxis der Stadt Osnabrück und zu den Aktivitäten des „Bündnisses gegen Abschiebung“. Dieses Bündnis setzt sich zum Ziel, Abschiebungen zu blockieren, indem man sich schützend vor die Flüchtlinge stellt. Seda Rass-Turgut distanzierte sich und gab zu bedenken, dass dies den Flüchtlingen nur für den Moment vorspiegeln könne, dass die Abschiebung nicht erfolgen werde. Aus dem Publikum meldete sich eine Vertreterin des Vereins „Exil“ und hob hervor, dass viele der vor Abschiebung Bewahrten noch heute in Deutschland Schutz erhielten.

2015-04-24 Lampedusa 05

Der Eintritt war kostenlos, doch baten wir um Spenden. Wir freuen uns, dem Verein „Exil“ einen Betrag von 300 Euro übergeben zu können.Wir bedanken uns bei allen, die an diesem Abend teilnahmen, insbesondere denen, die ihm Charakter und Kontur gaben: den Diskussionsteilnehmern, Herrn Dr. Romberg, den Aulatechnikern und der Arbeitsgemeinschaft „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“. Ganz besonders aber danke nun ich den fünf Vorlesern. Sie haben mit großem Engagement, viel Freude und Selbstlosigkeit entscheidend zum Gelingen dieses Abends beigetragen. Katharina Prigge danke ich für ihre arbeitsaufwändige Doppelrolle, die sie mit Bravour meisterte. Wir danken dem Publikum für den großen Zuspruch, für wohlmeinende Kritik und für die Ermunterung, auch weiterhin im Rahmen der schulischen Arbeit für die Sache der Flüchtlinge einzutreten.

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Impressum

Ursulaschule Osnabrück

Kleine Domsfreiheit 11-18
49074 Osnabrück
Telefon: 0541 - 318701
Fax: 0541 - 318711
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Schulleiter: Rolf Unnerstall

Schulträger

Schulstiftung im Bistum Osnabrück
Domhof 2
49074 Osnabrück

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