Ursulaschule Osnabrück

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Schülergruppe in Weißrussland

Ein spannender Bericht von einer ungewöhnlichen Reise.

In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Augustaschacht ist eine Schülergruppe der Ursulaschule zwischen dem 21. und 28. April 2006 nach Weißrussland gefahren, um dort ehemalige Zwangsarbeiter zu besuchen, die in ihrer Jugend im Raum Osnabrück eingesetzt waren. Die Fahrt war Bestandteil eines Projekts, das von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ gefördert wird und vor Ort von der weißrussischen Organisation „Veteranen des Wiederaufbaus - Erinnerung an die Opfer des Stalinismus" sowie der „Belarussischen republikanischen Stiftung Verständigung und Aussöhnung“ unterstützt wird. In der ersten Juli-Woche werden die Partnerschüler de Gymnasiums Nr. 56 in Minsk zu einem Gegenbesuch erwartet. Auch einige der besuchten Zwangsarbeiter haben die Einladung nach Osnabrück angenommen und werden gemeinsam mit den weißrussischen und den deutschen Schülern auf „Spurensuche“ gehen und das heutige Osnabrück kennen lernen.

Eine Woche Weißrussland – das bedeutete:

  • zweimal 24 Stunden mit dem Zug zu fahren;
  • sich einzulassen auf die Begegnung mit bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Menschen;
  • rund um die Uhr einzutauchen in eine Kultur, die sich durch unglaubliche Gastfreundschaft auszeichnete
  • sich zu vertiefen in die Schattenseiten deutscher Geschichte.

Wir begegneten Menschen von unglaublicher Offenheit und Herzlichkeit,die uns ohne Ressentiments aufgenommen und an ihrem Leben haben teilnehmen lassen. Die folgenden Berichte von Alexander Heumann, Ann-Christin Bensmann, Sarah Nannemann, Jana Sisnowski und Henrike Langsenkamp fassen intensive Begegnungen und vielfältige Eindrücke zusammen.

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Alexander Heumann

Schon gleich bei unserer Ankunft im Hauptbahnhof von Minsk um 09:10 Uhr wurden wir sehr herzlich von unseren weißrussischen Gastgebern empfangen. Wir waren sehr froh, dass alle weißrussischen Schüler und Lehrer über ausgezeichnete Deutschkenntnisse verfügten! Somit mussten wir nicht von den spärlichen Kenntnissen der russischen Sprache Gebrauch machen, die einzelne von uns in einer Art Schnellsprachkurs auf der Hinreise im Zug sich anzueignen versucht hatten. Nach dem Empfang am Bahnhof fuhren alle in ihre Gastfamilien, wo wir uns etwas frisch machen konnten und gleich ein herzhaftes und reichliches Frühstück serviert bekamen, mit dem die meisten von uns eigentlich einen ganzen Tag ausgekommen wären. Das reichhaltige Essen begleitete uns die ganze Fahrt über..
Um 11.00 Uhr wurden wir für den ersten Programmpunkt unserer Reise an der Minsker Partnerschule, dem Gymnasium Nr. 56, erwartet. Wir hatten die Möglichkeit, als Gäste an der Deutschstunde einer 5. Klasse teilzunehmen, was uns einen Einblick in das weißrussische Schulleben ermöglichte. Auf sehr kreative Art und Weise wurden uns die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem weißrussischen Osterfest dargestellt, und die guten Deutschkenntnisse der jungen Schüler beeindruckten und sehr.

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Anschließend erwarteten uns Schüler aller Jahrgangsstufen und Lehrer in der „Aula“, wo wir nochmals mit einem herzlichen Empfang von der ganzen Schule willkommen geheißen wurden. Mit deutschen Gedichten, Tanz- und Gesangseinlagen, die u. a. in traditioneller weißrussischer Kleidung vorgeführt wurden, bekamen wir einen ersten Eindruck von der weißrussischen Kultur und Mentalität.

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Wir fühlten uns eher wie bei einem Staatsempfang, denn unsere weißrussischen Gastgeber hatten sehr viel Mühe und Zeit in die Vorbereitungen für unseren Besuch an der Schule investiert. Gleich am ersten Tag wurde uns die überwältigende Gastfreundschaft des weißrussischen Volkes deutlich und wir fühlten uns sehr willkommen.
Während der anschließenden Stadtrundfahrt zeigten uns unsere weißrussischen Gastgeber die Innenstadt von Minsk. Eine weißrussische Lehrerin erzählte uns viel über die Geschichte der Stadt und über einzelne Bauwerke und Monumente. Schließlich konnten wir uns dann auch die Beine etwas vertreten und Straßen und Stadtviertel zu Fuß durchstreifen, worüber viele von uns nach der langen Zugfahrt und dem reichlichen Essen sehr erleichtert waren. Besonders auffällig war für uns die monumentale Bauweise, mit der viele Gebäude errichtet worden waren. Aber auch die meisten Denkmäler besaßen eine Größenordnung, die viele von uns in dieser Art und Weise noch nicht kennen gelernt hatten. Die Plätze beeindruckten uns durch ihre Weite, wie zum Beispiel der Leninplatz im Herzen der Stadt.

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Am Abend wurde unser erster Tag in Weißrussland durch den Besuch des Theaterstücks „Die Bajadere“ von Emmerich Kalman im Stadttheater abgerundet. Leider verstanden wir wegen unseren mangelhaften Russischkenntnisse nur sehr wenig von dem Dialog zwischen den einzelnen Mitwirkenden. Doch unsere weißrussischen Gastgeber fassten für uns den Ablauf des Theaterstückes zusammen. Es handelte von einer Liebesgeschichte zwischen einem indischen Prinzen und einer französischen Sängerin und Tänzerin - natürlich hatte die Geschichte nach einigen Verwicklungen ein gutes Ende, und die beiden wurden ein Paar. Sehr beeindruckt waren wir von den schönen Kostümen und dem Gesang. Einige von uns hatten nur etwas mit der Müdigkeit zu kämpfen, die uns durch den langen Tag einholte.
Mit vielen neuen Eindrücken von dem ersten Tag in Weißrussland fuhren wir nach dem Theaterstück wieder nach Hause, wo auf viele von uns wieder ein reichhaltiges Essen wartete, bevor wir endlich ins Bett gehen durften..

Ann-Christin Bensmann

Nach dem herzlichen Empfang am Samstag erwarteten uns am Sonntag weitere spannende Programmpunkte.
Nach dem Frühstück, das, so ist es in Weißrussland üblich, aus einem kompletten Sonntagsmenu bestand, haben wir uns mit allen Teilnehmern des Projektes in der Schule, im Gymnasium Nr. 56, getroffen. Bei diesem Treffen ging es darum, uns kurz vorzustellen und unsere Erwartungen und Vorstellungen in Bezug auf das laufende Projekt zu erklären. Ein Punkt, den hier vor allem die deutschen Teilnehmer für wichtig und gut hielten, war der, dass wir die Möglichkeit hatten und auch noch durch den Gegenbesuch haben werden, zwei unterschiedliche Generationen kennen zu lernen: auf der einen Seite die Minsker Schülerinnen und Schüler, bei denen wir untergebracht waren und mit denen wir viel Zeit verbracht haben, und auf der anderen Seite die Zeitzeugen, mit denen wir im weiteren Verlauf unserer Reise Gespräche geführt haben. So war es uns also möglich, Weißrussland auf verschiedene Arten und Weisen zu sehen.
Mit großen Lunchpaketen bepackt, machten wir uns am Mittag gemeinsam auf den Weg, um die Gedenkstätte Chatyn zu besuchen. Chatyn war ein Dorf, das am 22.03.1943 von der Deutschen Wehrmacht vollständig zerstört und verbrannt wurde. Heute steht die Gedenkstätte für die in Weißrussland insgesamt 628 zerstörten Dörfer, von denen 186, darunter auch Chatyn, nie wieder errichtet wurden.

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Der Besuch in Chatyn hat uns alle sehr beeindruckt.

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Ein Grund hierfür ist sicher der Aufbau, denn er soll das Dorf, so wie es einmal wirklich ausgesehen hat, symbolisieren und darstellen. Eine ganz besondere Atmosphäre wird außerdem durch in den Himmel ragende Obeliske geschaffen, die die einzelnen Ofenrohre der abgebrannten Häuser darstellen. Auf diesen sind dazu noch Glocken angebracht, die alle 30 Sekunden erklingen und damit an den Schmerz und das Leid des Großen Vaterländischen Krieges erinnern, bei dem jeder vierte Weißrusse ums Leben kam.

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Auf dem Weg zurück nach Minsk haben wir noch ein weiteres Kriegsdenkmal besichtigt, das durch seine Größe und heroische Ausstrahlung im Gegensatz zu Chatyn sehr sowjetisch geprägt war.
Mit diesem Ausflug war unser Programm für den Sonntag aber noch nicht beendet, denn am Abend sind wir mit unseren Gastschülern und anderen Jugendlichen zusammen in die Stadt gegangen. So hatten wir die Gelegenheit, Minsk auch noch mal am Abend zusammen mit vielen Jugendlichen zu erleben. Nach einer Riesenradfahrt, bei der wir einen guten Überblick über die 2-Millionen-Stadt hatten, und nach einem langen Spaziergang haben wir den Tag in einem Café schön ausklingen lassen.
Doch bevor wir uns schließlich müde und erschöpft in unser Bett legen konnten, wartete bei vielen noch ein kleiner Nacht-Imbiss, ohne den man nicht schlafen gehen durfte...

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Ursulaschule Osnabrück

Kleine Domsfreiheit 11-18
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Telefon: 0541 - 318701
Fax: 0541 - 318711
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Schulleiter: Rolf Unnerstall

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Domhof 2
49074 Osnabrück

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