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Die Osnabrücker Feuerwehr

Interview mit Branddirektor Jürgen Knabenschuh, Leiter der Berufsfeuerwehr Osnabrück. 

Projektgruppe: Wie viel weiß man heute noch über die Geschichte der Feuerwehr in Osnabrück?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Die Geschichte der Feuerwehr in Osnabrück ist schriftlich ausreichend nachzuvollziehen. Sie allerdings auch in Bildern genau zu rekonstruieren, gestaltet sich schwierig. Bildmaterial ist fast ausschließlich aus der Zeit nach 1945 vorhanden. Dies hängt damit zusammen, dass viele der authentischen Zeitdokumente von vor `45 verloren gegangen sind, als die damalige Hauptfeuerwache, die sich seit 1926 in der Stadtwaage am Rathausplatz befand, durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Wie sich die Feuerwehr seit 1945 verändert hat, lässt sich dagegen sehr gut veranschaulichen. Es tauchen auch immer wieder bis dato unbekannte Fotographien auf, die von ehemalige Feuerwehrleuten im Verlauf ihrer Amtszeit angefertigt wurden. Manche dieser älteren Kollegen sind inzwischen leider verstorben. Aber ihre Hinterbliebenen finden alte Fotographien oder persönliche Gegenstände, die mit der Feuerwehr zu tun haben, und leiten sie glücklicherweise oft an uns weiter. Auf diesem Weg sind schon die spektakulärsten und auch kuriosesten Aufnahmen bzw. Objekte zu uns gelangt.
Was den Zeitraum vor 1945 betrifft, so können immerhin die wichtigsten Entwicklungsschritte der Osnabrücker Feuerwehr belegt werden. Die Berufsfeuerwehr wurde 1926 gegründet. Osnabrück erreichte erst in jenen Tagen eine ausreichend große Einwohnerzahl, für die sich die Gründung einer Berufsfeuerwehr überhaupt lohnte. Vorher hatte nur eine hauptamtliche Wachbereitschaft existiert, die im Wesentlichen aus den unmittelbar am Marktplatz wohnenden Handwerkern zusammengesetzt war. Diese wurden von der Stadt für ihre ständige Bereitschaft zwar bezahlt, waren jedoch bei Großbränden überfordert. Trotzdem ist bereits diese Wachbereitschaft ein großer Fortschritt gegenüber früheren Zeiten gewesen. Die Brandbekämpfung war als Sache der einzelnen Straßen bzw. Stadtteile betrachtet worden. Jeder Haushalt wurde per Gesetz dazu verpflichtet eine bestimmte Menge Löschwasser vorzuhalten, um die alltäglichen Herdbrände im Keim zu ersticken. Es gab auch bestimmte Bürgerschichten, die sich in Laischaften zur Brandbekämpfung organisierten. Darüber hinaus schlossen sich Sportvereine zusammen; es gab z.B. die Turnerfeuerwehren, aus denen sich fast zu hundert Prozent die freiwilligen Feuerwehren herausgebildet haben. Doch Großbrände, deren katastrophale Auswirkungen auch durch fehlende Koordination und mangelnde Zuverlässigkeit dieser ursprünglichen Feuerwehren hervorgerufen wurden, führten den Menschen schließlich die Notwendigkeit einer gut ausgestatteten Berufsfeuerwehr vor Augen.
Heute ist für Städte ab 100.000 Einwohnern eine Berufsfeuerwehr Pflicht. Dies liegt eben daran, dass man in solchen Städten doch mehr Einsätze hat, als es eine freiwillige Feuerwehr bewältigen könnte. Eine freiwillige Feuerwehr besteht aus ehrenamtlichen Helfern, die bei jedem Einsatz ihren Arbeitsplatz sofort verlassen müssen. Dies ist bei einer erhöhten Häufigkeit der Einsätze doch mit einigen Problemen verbunden. Die Sicherheit kann von einer freiwilligen Feuerwehr ab einer bestimmten Größe des Einsatzgebiets einfach nicht mehr gewährleistet werden.

Projektgruppe: Wie ist es um die Feuerwehr heute bestellt?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Heutzutage hat die Feuerwehr eben zwei Standbeine. Die Berufsfeuerwehr und die freiwilligen Feuerwehren im Umland gewährleisten überall ein höchstmögliches Maß an Sicherheit für den Bürger. Im Gegensatz zu den gerade angesprochenen bewegten Zeiten braucht inzwischen Keiner mehr Angst davor haben, dass die Feuerwehr aufgrund irgendwelcher innerstädtischen Auseinandersetzungen nicht ausrückt, zumindest nicht bei uns. Die freiwillige Feuerwehr wird in Osnabrück immer bei der alltäglichen Brandbekämpfung mit eingesetzt. Es gibt ein abgestuftes System, das die Zuständigkeiten regelt. Bei kleineren Bränden (vom Mülleimer bis hin zum Auto) regelt das die Berufsfeuerwehr alleine. Wenn die Dimension der Brände größer wird und der sogenannte Löschzug ausrückt (mehrere Löschfahrzeuge mit Einsatzleiter), dann wird auch jeweils die Ortsfeuerwehr, in deren Stadtteil es brennt, mit alarmiert. Die Aufgabenverteilung ist festgelegt. In der Leitstelle der Hauptfeuerwache gibt es die AAO, die Alarm- und Ausrück-Ordnung. Dort sind bestimmte Alarmierungsstichworte erfasst, die jeweils ein bestimmtes Ereignis definieren. Also z.B. „Gefahrgutunfall groß“ oder „brennender Tankwagen“, „Bahnunfall“, „schwerer Verkehrsunfall“ und sogar „Flugzeugabsturz“ . So entscheidet sich, wie viele und welche Fahrzeuge ausrücken.

Projektgruppe: Wie funktioniert das Notrufsystem über die Nummer 112? Wie wird dem Mißbrauch vorgebeugt?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Computer ermitteln die Vorwahl des Anrufers und leiten den Notruf an die zuständige Einsatzleitstelle weiter. Somit ist sichergestellt, dass ein Anrufer nicht theoretisch die Feuerwehr eines ganz anderen, weit entfernten Bundesgebietes alarmiert. Schließlich soll die Feuerwehr ja möglichst schnell an Ort und Stelle Hilfe leisten. Es ist also nicht möglich eine spezifische Vorwahl vor die 112 zu stellen. Man wird in jedem Fall sofort mit der nächsten Leitstelle verbunden. Beim Handy ist der Weg etwas anders. Wer die 112 am Mobiltelefon wählt, wird mit dem nächsten „freien“ Sendemasten verbunden. Welche Leitstelle den Notruf entgegennimmt hängt dann von dem postalischen Bereich ab, in dem sich der Sendemast befindet. Aufgrund der Überlastung eines Sendemasten kann es vorkommen, dass man in Grenzbereichen mit der Leitstelle einer anderen Gemeinde verbunden wird. Deshalb sollte man beim Notruf präzise Angaben über die nähere Umgebung des Einsatzortes machen, beispielsweise in welcher Straße man sich selbst befindet, da z.B. im Osnabrücker Land mehrere “Osnabrücker Straßen” existieren. In diesem Fall können Verwechslungen nicht ausgeschlossen werden. In der Regel gibt es aber keine Probleme. Auch in den angesprochenen Fällen sind wir rechtzeitig am Einsatzort, da wir uns auf unsere Erfahrung und unser technisches Equipment verlassen können. Es gilt: Wer die 112 wählt, egal wo, wann und wie (per Handy oder Telefon), bekommt Hilfe von der nächstgelegenen Leitstelle, kompetent und mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Was die mutwillig verursachten Fehlalarme angeht, so konnte ihre Zahl in den letzten Jahren Dank der neuen Rufnummeridentifikation deutlich reduziert werden. Wir speichern jeden Notruf auf Tonband und registrieren die Telefonnummer des Anrufers. Vor allem die Nummer lässt dann Rückschlüsse auf den Standort des Anrufers zu, auch beim Handy können wir den Besitzer auf Anfrage bei der Telekom sofort ermitteln. Die Rufnummerunterdrückung bei Handys oder ISDN Telefonen ist außerdem beim Anruf der 112 oder 110 deaktiviert. Verrückten lassen wir keine Chance, es geht um die Gewährleistung eines Wer die Feuerwehr mutwillig in die Irre führt, kommt für die gesamten dadurch verursachten Kosten auf. Ich rate niemandem dazu, das kann teuer werden. Unverändert geblieben ist dagegen die Anzahl der „normalen“ Fehlalarme. Meistens können die besorgten Anrufer in solchen Fällen schnell beruhigt werden.

Projektgruppe: Wo liegt der Unterschied zwischen einem Kranken- und einem Rettungswagen, ist das nicht dasselbe?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, das ein Krankenwagen gleichbedeutend mit einem Rettungswagen sei. Ein Krankenwagen ist ein Fahrzeug für den sogennanten qualifizierten (=begleiteten) Krankentransport z.B. zwischen zwei Kliniken oder auch für einen Dialysepatienten. Ein Krankenwagen wird normalerweise von Ärzten oder Krankenhäusern gerufen. Eine Privatperson kann nur mit einer ärztlichen Bescheinigung oder einem Beförderungsschein einen Krankentransport per Krankenwagen anfordern. Krankenwagen erreicht man daher nicht unter der 112 sondern unter der Nummer 19222. Natürlich kann sich ein Krankentransport auch zu einem Notfall entwickeln, wenn z.B. Vitalfunktionen des Patienten aussetzen. Für diesen Fall führen auch Krankenwagen Geräte zur Aufrechterhaltung der wichtigsten Lebensfunktionen mit sich. Der Patienten wird dann schnell in das nächstliegende Krankenhaus gebracht. Ein Rettungswagen dagegen ist eine fahrende Notaufnahme. In ihm können Sofortmaßnahmen ergriffen werden, die in einem Krankenwagen gar nicht möglich wären. Ein Rettungswagen wird außerdem meistens von einem Notarztwagen begleitet, was zusätzliche Chancen für den schwerverletzten Patienten bringt. Wenn ein Notruf eingeht fragen wir deshalb immer nach der Situation vor Ort. Werden Anzeichen von schweren Verletzungen gemeldet, wie z.B. das Bluten aus Nase und Ohren, werden auf der Stelle Notärzte und Rettungswagen zur Unfallstelle geschickt. Wird aber berichtet, das die beteiligten Personen höchstens ein paar Schürfwunden davon getragen haben, stehen können, ansprechbar sind und auch sonst keine Anzeichen von Knochenbrüchen oder inneren Verletzungen zeigen, kommen Krankenwagen zum Einsatz. Wir bitten am Telefon immer um eine eine möglichst präzise Wiedergabe der Lage vor Ort, denn wir wollen gewährleisten, dass für akute Notfälle zu jedem Zeitpunkt ein Rettungswagen verfügbar ist. Ein paar Schürfwunden überlebt man eher als einen plötzlichen Herzinfarkt. Im Zweifelsfall rückt aber immer der Rettungswagen aus.

Projektgruppe: Wie enscheidet sich denn, welcher Rettungsdienst einen Einsatz übernimmt (z.B. Arbeiter Samariter Bund ASB, Johanniter, Malteser, etc.)?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
In der Notrufzentrale der Hauptfeuerwache wird anhand der Informationen des Anrufers der genaue Einsatzort ermittelt und dann per Knopfdruck ein Ausrücken des nächstgelegenen Rettungsfahrzeugs bzw. Rettungsdienstes veranlasst. Die Rettungswagen der Berufsfeuerwehr selbst fahren im normalen Rettungsdienst (= Regelrettungsdienst) nur einen geringeren Teil der Einsätze von ungefähr 20%. 80% werden von den anderen Organisationen übernommen, die mit der Berufsfeuerwehr nicht nur im Regelrettungsdienst, sondern auch im Katastrophenschutz zusammenarbeiten. Das hängt damit zusammen, dass bei einem Brand der ausrückende Löschzug immer von mindestens einem Rettungswagen begleitet wird, auch zur Eigensicherung. Der Beruf des Feuerwehrmanns ist gefährlich. Da braucht nur einmal die Gasmaske zu verrutschen und schon hat man eine großes Problem.

Projektgruppe: Wie viele Berufsfeuerwehrleute gibt es in Osnabrück?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Man unterscheidet zwischen den drei Beamtengruppen im mittleren, höheren und gehobenen Dienst. Zurzeit gibt es insgesamt 112 Berufsfeuerwehrleute in Osnabrück. Diese werden z.T. auf Schichten aufgeteilt. Es gibt welche, die auf den sogenannten Wachabteilungen reinen Schichtdienst machen, bei uns mit 43 Mitarbeitern, dann die Leitstelle mit 13 Angestellten (Disponenten genannt) und darüber hinaus gibt es noch den Führungsdienst mit den Beamten im höheren bzw. gehobenen Dienst, die sich im C-Dienst rund um die Uhr auf der Wache befinden, also 24 Stunden lang verfügbar sein müssen.

Projektgruppe: Müssen sie als Amtsleiter auch mit ausrücken?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Auch ich muss mit ausrücken. Nur es ist generell so, dass man je höher die Position ist, seltener zu Einsätzen gerufen wird. Als Amtsleiter einer Berufsfeuerwehr muss man aber ständig in Bereitschaft sein, denn bei größeren Bränden o.ä.. muss die Koordination, die Einsatzleitung möglichst nah am Geschehen stattfinden. Falls ich mal nicht da bin, übernimmt mein Vertreter diese Aufgaben. Aber mindestens einer von uns beiden muss Tag und Nacht erreichbar sein. Einmal im Monat haben wir auch ganz normalen Schichtdienst, wo wir bei jedem größeren Einsatz wie die anderen Berufsfeuerwehrleute auch, mit ausrücken.

Projektgruppe: Wie gefährlich ist der Beruf des Feuerwehrmanns?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Es gibt leider immer wieder Todesopfer unter den Feuerwehrleuten. Es kann immer passieren, dass sich ein Balken löst oder etwas anderes auf uns herab fällt und, wie beispielsweise neulich in Haarlem vorgekommen, mehrere Kameraden erschlägt. Auch Rauchvergiftungen und unkontrollierte Hitze können lebensbedrohend werden. Das ist klar, wenn es brennt und alle rausgehen, muss die Feuerwehr da rein. Wenn es nicht gefährlich wäre, würden uns die Leute ja auch nicht rufen. Man kommt am Einsatzort an und muss sich blitzschnell auf eine unbekannte Situation einstellen. Man muss sofort Entscheidungen treffe und die Brisanz der Lage erfassen. Es ist dunkel, die Hitze, der Rauch belasten den Körper, man rutscht leicht aus,was in einer solchen Lage höchst gefährlich ist. Auch auf der Straße, bei Unfällen, Hochwasser, etc. können wir immer wieder in eine dramatische Lage geraten. Verletzungen sind nicht alltäglich, aber man muss immer damit rechnen. Bei manchen Einsätzen fährt schon die Angst mit, dass vielleicht nicht alle zur Wache zurückkehren werden. In der Öffentlichkeit wird dies gern verdrängt. Aber man wird hier bei uns immer mit einem generellen Berufsrisiko konfrontiert. Mit der Zeit weiß man damit umzugehen und kann Situationen schnell richtig einschätzen.

Projektgruppe: Wie wird man körperlich und auch psychisch auf die Einsätze vorbereitet? Wie oft gibt es Übungen?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Geübt wird eigentlich täglich, sowohl an Fahrzeugen als auch den Gerätschaften, natürlich nur, wenn keine Einsätze vorliegen. Wir bilden uns ständig fort; auch in der Instandhaltung des Equipments in unserer Werkstatt muss jeder Feuerwehrmann der Wache Ahnung haben. Jeder muss jede Position im Team einnehmen können. Dies wird auch bei der Ausbildung berücksichtigt. Ausdauer bei der Aus- und Weiterbildung ist eine notwendige Vorraussetzung in unserem Beruf. Außerdem entwickelt sich die Technik auch in der Brandbekämpfung mit rasender Geschwindigkeit weiter; es gibt immer neue Bedrohungsszenarien, die eine entsprechende Vorbereitung verlangen, sowohl technisch als auch mental. In Zeiten von SARS oder dem Terrorismus verändern sich die Gefahren, mit denen wir rechnen müssen, laufend. Es gibt ständig etwas zu lernen, zu verbessern und neu zu organisieren. Ein Feuerwehrmann befindet sich ständig im Lernprozess, also wird auch immer geübt. Um im Einsatz bestehen zu können muss man topfit sein. Jeder Feuerwehrmann muss sich bis zum 50 Lebensjahr alle 3 Jahre einem Belastungstest unterziehen, mit erreichen der 50 jährlich. Schulungen und große Übungen, wie vor kurzem die simulierte Evakuierung eines Großkrankenhauses (Marienhospital), sind seltener, aber doch so häufig, dass wir auf Großbrände oder Umweltkatastrophen gut vorbereitet sind. Projektgruppe: Also von der Ausbildung her ist alles bestens. Aber wie steht es um das Equipment der Osnabrücker Feuerwehr?

Projektgruppe: Also von der Ausbildung her ist alles bestens. Aber wie steht es um das Equipment der Osnabrücker Feuerwehr?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Die Ausrüstung ist gut. Sicherlich können auch wir uns in Zeiten knapper Kassen nicht alles leisten, was wir gerne hätten. Das hängt natürlich auch mit der Preisentwicklung auf dem Markt für Feuerwehrbedarf zusammen. Wenn man überlegt das vor 10-15 Jahren ein Schutzanzug noch mit allem drum und dran vielleicht 250 Mark kostete, so kriegt man heute für 250 Euro gerade mal eine vernünftige (HiTech-)Hose. Die Haushalte der Kommunen sind jedoch gleich geblieben und somit kann nicht alles sofort angeschafft werden. Man kann aber längst nicht behaupten, dass wir veraltetes oder schlechtes Material zur Verfügung hätten. Im bundesweiten Vergleich wie auch international kann sich die Feuerwehr Osnabrück sehen lassen und brauch sich vor finanzkräftigeren Städten nicht zu verstecken. Was den Feuerwehr und Umweltausschuss hier in Osnabrück betrifft, so sind wir im Moment mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Dort wird unserem Einsatz fraktionsübergreifend großer Respekt entgegen gebracht. Auf höheren politischen Ebenen könnte vielleicht die Kommunikation noch besser sein. Aber allen ist im Grunde bewusst, dass bei der Feuerwehr und damit der Sicherheit des Bürgers als letztes gespart werden sollte. Von Einsparungen sind wir jedenfalls meistens verschont geblieben, was uns und dem Bürger zu Gute kommt. Solange die Arbeit der Feuerwehr im Bewusstsein der Menschen anerkannt wird, sollte es politisch keine Probleme geben. Sicherheit hat in Osnabrück spätestens seit 1996 einen hohen Stellenwert. Das war allerdings nicht immer so. Wir stellen aber auch keine unerfüllbaren Forderungen auf. Ein Löschflugzeug für den Rubbenbruch See oder ein Löschboot für den Hafen wären sicher spannende Projekte, diese sind aber natürlich nicht umsetzbar. Beide Seiten besitzen die nötige Kompetenz, um zu wissen was geht und was nicht. Osnabrück war auch schon ein innovatives Vorbild für andere Städte, gerade in der Zusammenarbeit zwischen Politik und Feuerwehr.

Projektgruppe: Wie gut ist denn die Zusammenarbeit der Feuerwehren untereinander?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
In Osnabrück ist sie vorbildlich. Fälle in denen die freiwilligen Feuerwehren und Berufsfeuerwehren Streitigkeiten bis auf den Einsatzort getragenen haben, was in anderen Städten durchaus vorgekommen ist, hat es in Osnabrück nie gegeben und wird es auch nicht geben. Allenfalls werden notwendige Diskussionen geführt, die aber immer von hoher Sachlichkeit geprägt sind. Die Zusammenarbeit untereinander hier bei uns im Landkreis ist sehr gut! Das Konzept, dass Angehörige der Berufsfeuerwehr, der freiwilligen Feuerwehren, der Werksfeuerwehren, des technischen Hilfswerks und der Hilfsorganisationen wie ASB oder Johanniter etc. in einer Schnelleinsatzgruppe SEG für den Katastrophenschutz so eng zusammenarbeiten, ist einmalig in Deutschland. Die SEGs werden übrigens auch gerufen, wenn ein schwerer Unfall auf der Autobahn stattgefunden hat. 5 Rettungswagen stehen rund um die Uhr bereit, um im Fall eines solchen Notstandes sofort reagieren zu können. Wir in Osnabrück können mit optimaler Arbeit glänzen, weil bei uns kein Konkurrenzdenken das Verhältnis zwischen den einzelnen Gruppen belastet. Das ist in anderen Städten oft anders. Wir pflegen ein familiäres Verhältnis. Dies trägt auch zur Qualitätssicherung bei. Es gibt auch immer wieder städteübergreifende Arbeitskreise. Man tauscht Erfahrungen aus und lernt voneinander. Selbstverständlich werden auch internationale Feuerwehr-Kongresse veranstaltet, auf denen Informationen, auch über für uns bisher unbekannte Situationen, ausgetauscht werden. Ein gutes Beispiel dafür sind die Sicherheitsmaßnahmen der Feuerwehren aus den USA. Durch die Milzbrand Attacken beispielsweise haben unsere amerikanischen Kollegen Erfahrungen mit den neuesten Technologien auf dem Gebiet der Dekontamination. In Deutschland selbst könnte die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern besser sein. Dazu benötigen wir Signale aus der Landespolitik. Hier in Osnabrück haben wir ein überregionales Konzept für die Zusammenarbeit bei Zugunglücken erarbeitet, in das auch die Feuerwehr von Münster eingebunden ist. Doch wir brauchen noch mehr länderübergreifende Kooperation. Gerade nach dem 11. September sollte jedem klar sein, dass der Katastrophenschutz auch bei uns verbesserungswürdig ist. Es gibt Strukturen, aber diese dürften noch deutlicher in Erscheinung treten. Dafür bedarf es der Aufmerksamkeit und Förderung der Politik. Konzepte gibt es viele, denn Papier ist billig. Es fehlen aber jene Leute, die die richtigen Schlüsse aus diesen Konzepten ziehen könnten.

Projektgruppe: Wie wird die Feuerwehr Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Erst vor kurzem ist eine Umfrage eines renommierten Meinungsforschungsinstituts herausgegeben worden, der zufolge der Feuerwehrmann einen der angesehensten Berufe in unserer Gesellschaft ausübt. Die Leute sind ja wirklich immer froh, wenn man kommt. Sie verbinden uns zwar eher selten mit dem schönsten Augenblick ihres Lebens, aber dankbar sind sie eigentlich immer. Ich habe es noch nicht erlebt, dass wir ähnlich wie ein Dieter Bohlen neulich bei Wetten-Dass, ausgebuht worden wären. Beschweren über mangelnde Zustimmung und Respekt brauchen wir uns, zumindest beim Bürger, nicht. Anders als die Polizei, die oft mit staatlichem Einfluss und Macht gleichgesetzt wird, gelten wir als politisch neutral. Wir kommen schließlich immer um zu helfen. Und wir helfen wirklich jedem, unabhängig von Herkunft, Religion oder sonst irgendeinem persönlichen Umstand. Unsere Aufgaben „beschränken“ sich eben auf retten, löschen, bergen, schützen.

Projektgruppe: Gab es ein für Sie persönlich besonders herausragendes Ereignis positiver, wie negativer Art in Ihrer bisherigen Amtszeit?Wie gehen Sie mit den täglichen Erlebnissen um?

Herr Dipl. Ing. Knabenschuh:
Große Angst hatte ich bei dem Kesselwagenunglück im letzten Jahr. Wäre einer der brennenden Chemiekalien explodiert, hätte es Tote gegeben und die Umgebung wäre hochgradig kontaminiert worden. In solchen Situationen geht es um Minuten und Sekunden. Man muss spontane Entscheidungen treffen und sich dabei immer seiner Verantwortung bewusst sein. Das ist nervlich schon sehr belastend. Grundsätzlich belastet einen aber jeder Einsatz, vor allem Einsätze mit Kindern, noch dazu, wenn man selber eine Familie mit kleinen Kindern hat. Das bringt der Beruf halt mit sich. Man wird auch ständig damit konfrontiert. Wenn ich abends Nachrichten gucke, in denen bekanntlich immer zwei Themenbereiche enthalten sind, nämlich Politik und Unglücke, dann überlege ich zwangsweise, was wäre gewesen, wenn das in Osnabrück passiert wäre, was hättest du für Maßnahmen ergriffen. An das Tagesgeschehen geht man somit nie unbelastet heran, das kann schon ein Problem sein, das gebe ich offen zu. Auch im Urlaub werde ich immer von meinen Kollegen angerufen, die mir dann die wichtigsten Ereignisse berichten. Abzuschalten fällt also schwer. Aber es hat auch Vorteile nah am Geschehen zu sein, man ist immer über alles informiert. Rückzug und Entspannung findet man nur in einer intakten Familie. Aber auch für die Familie kann so ein Leben mit einem Feuerwehrmann belastend sein. Da ist einmal die Sorge um den Elternteil, der bei der Feuerwehr arbeitet, und auf der anderen Seite auch die Belastung durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten. Denn die Feuerwehr hat immer etwas zu tun, auch Weihnachten und Neujahr sind dem Feuer egal. Private Planungen müssen somit oft hinten angestellt werden. Um so wichtiger ist eine verständnisvolle Familie, die einem den nötigen Rückhalt bietet. Außerdem sollte man zum Ausgleich Hobbies haben, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Bisher musste ich aber Gott sei Dank keine Einsätze erleben, wo eigene Leute zu Schaden gekommen sind. Eisätze, wo Kollegen oder die eigene Familie betroffen wären, stellen für mich den „worst case“ dar, an solchen Situationen könnte man dann schon „zerbrechen“. Aber die Gefahrenlage verändert sich, wie gesagt, ständig. Irgendetwas generell auszuschließen wäre fatal. Sogar Terroranschläge hat es hier schon gegeben (z.B. von der IRA). Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Wir bemühen uns immer darum die optimale Leistung für uns und das Wohl des Bürgers zu erbringen.

Projektgruppe: Herr Dipl. Ing. Knabenschuh, wir bedanken uns für das interessante und sehr informative Gespräch. Weiterhin viel Glück als Amtsleiter und Branddirektor der Berufsfeuerwehr Osnabrück.

Weitere Infos:
Aufgabenbereich der Notärzte
Osnabrücker Feuerwehr
Feuerwehr Allgemein
Evakuirung eines Krankenhauses (Übung)
Die Feuerwehr in Niedersachsen

 

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