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Luxustourismus

Fast parallel mit dem Schulstart begann für die Klasse 9a in Erdkunde die Reise in eine neue Welt, genauer gesagt nach Botsuana. Einige von Euch werden den Namen des Staates in Subsahara-Afrika vielleicht noch nie gehört haben. Botsuana ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika, der im Westen und Norden an Namibia, im Nordosten an Sambia, im Osten an Simbabwe und im Süden an Südafrika grenzt.

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Die Schülerin Anna Pohlmann hat sich genauer mit dem Thema „Luxustourismus in Botsuana“ beschäftigt.

 

Luxustourismus – wer würde nicht gerne mal so reisen?

 

Den Sonnenuntergang auf den Malediven beobachten, ein Konzert in der Carnegie Hall besuchen, eine Kreuzfahrt in die Antarktis machen oder am Roulette Tisch in Las Vegas stehen.

 

Der Luxustourismus bildet eine Form des Individualtourismus und wurde in der Vergangenheit nur von einer sehr kleinen Zielgruppe genutzt. Jedoch erfreut er sich immer größerer Beliebtheit und erwartet in den nächsten Jahren weiteres Wachstum. Die beliebtesten Reiseziele 2019 waren Paris, Dubai und New York. Im Jahr 2020 ist das teuerste Reiseziel die Caymaninsel „Grand Cayman“, auf welcher der Preis für eine Übernachtung bei 539,36 Euro pro Person liegt.

 

Auch Botsuana zählt zu den Hauptzielen des Luxustourismus. Das Land setzt auf geringe Besucherzahlen, aber hohe Einnahmen. Mit seiner wunderschönen Natur lockt es immer mehr Besucher an. Einer der wertvollsten Naturschätze Botswanas ist das Okavango Delta. Es ist eines der größten Binnendeltas der Welt und zählt zu den sieben Naturwundern Afrikas. Aber Botsuana hat noch viel mehr zu bieten: Mit dem Chobe-Nationalpark, dem Moremi-Wildreservat und der 930.000 Quadratkilometer großen Kalahari Wüste werden jährlich rund zwei Millionen Touristen angelockt.

 

Die Touristen leben dort in sogenannten „Lodges“ oder auch „Luxuscamps“ genannt. Das Besondere ist unter anderem die naturbezogene Lage, die moderne Einrichtung und der kulinarische Service. Für die Luxuscamps gibt es bestimmte Bauvorschriften: Die Unterkünfte dürfen höchstens zwölf Zimmer anbieten und die Camps müssen in die Landschaft integriert werden, daher bestehen die meisten Lodges auch größtenteils aus Holz, so dass ein naturbelassener Eindruck entsteht.

 

Ein Beispiel für ein derartiges Angebot von Luxustourismus ist das des Reiseanbieters „journaway“, der eine 15-tägige Reise durch Botsuana anbietet. Die Highlights dieser Reise sind der Besuch des Moremi-Wildreservats, des Okavango Deltas, des Chobe-Nationalparks und der Stadt Kasane. Durch Safaris und Bootsfahrten lernen die Besucher mehr über die einzigartige Natur und sogar ein Tagesausflug zu den Victoriafällen (Sambia/Simbabwe) ist in dem Angebot enthalten. Der Preis ohne Flug liegt hierfür bei 5.300 bis 6.400 Euro pro Person.

 

Ein anderer Anbieter namens „Enchanting Travels“ bietet dagegen auf den Kunden zugeschnittene Reisen an. Dazu müssen vom Interessenten zunächst persönliche Interessen und Wunschziele angegeben werden. Im Anschluss kann die Art der Unterkunft ausgewählt werden, sei es eine Pension oder eine der Lodges. Zuletzt wird noch nach dem persönlichen Budget gefragt und nach der Dauer der Reise. Zusammen mit dem Reiseanbieter wird dann ein individuelles Angebot erstellt und schon kann die Reise beginnen.

 

Aber ist es wirklich eine gute Idee, in Botsuana Urlaub zu machen? Zerstört der Tourismus nicht die Natur? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Einheimischen? Ich habe mich näher damit auseinandergesetzt und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Fragen nicht eindeutig mit „Ja“ und „Nein“ zu beantworten sind.

 

Gehen wir zunächst einige Jahre zurück: Im Jahre 1961 wurde das „Central Kalahari Game Reserve“ gegründet, um die dort lebende Bevölkerung, die Landschaft und die Wildtiere zu schützen. Die Einheimischen, auch „Bushman“ genannt, durften zu diesem Zeitpunkt trotz der Einrichtung weiterhin jagen, um sich versorgen zu können. Doch Mitte der 1980er-Jahre waren die Siedlungen der indigenen Völker der Regierung aufgrund von dort vorkommenden Bodenschätzen zunehmend ein Dorn im Auge und sie veranlasste deren Umsiedlung in Dörfer außerhalb des Reservats mit der Begründung, die Tiere und die einzigartige Natur schützen zu wollen. Das eigentliche Motiv stellte, wie später bekannt wurde, die Bergung großer Diamantenaufkommen dar, was Flora und Fauna vielmehr schadete.

 

Nach diesem kleinen Exkurs kommen wir nun zurück zu unserer Frage: Sollte man in Botsuana Urlaub machen?

 

Ein erster wichtiger Aspekt, der dagegen spricht, ist die Tatsache, dass die einheimischen Völker bis heute weiterhin nicht einmal für ihre Versorgung jagen dürfen, aber ausländische Jäger sogenannte Lizenzen erwerben können, um auf abgesicherten Gebieten gezielt Tiere zu erschießen, nur um Teile von ihnen als Trophäe mit nach Hause zu nehmen. Außerdem können die Völker durch die Bestimmung der Regierung ihre Kultur nicht mehr richtig ausleben, wobei allerdings die Tourismusbranche damit wirbt, die traditionelle Lebensweise der Einheimischen erleben zu können. Da ist doch was falsch, oder? Die Regierung benutzt genau diese Lebensweise zum Ködern von Touristen, die durch ihre Vorlagen unterdrückt wird.

 

Allerdings muss man auch sagen, dass der Tourismus in manchen Teilen sogar für Umweltschutz sorgt, denn aufgrund der Einnahmen durch die Arbeit in den Camps verzichten die Einheimischen auf den Ackerbau im Okavango Delta, was der Natur sehr zuträglich ist. Aber Flora und Fauna werden nicht immer so bleiben, denn je mehr Menschen dorthin reisen, desto mehr leidet die Natur.

 

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass der Luxustourismus auch Probleme überschattet. So schön die Bootstouren und Safaris doch auch sind, die wirklichen Probleme von Botsuana bekommen Besucher nur selten mit. Zum Beispiel leiden 19 Prozent der Kinder unter 15 Jahren an Kinderarmut und an Hunger. Durch viele Hilfsprojekte, wie die Organisation „Humanium“, wird diesen Problemen schon entgegengewirkt, aber die Projekte erreichen noch lange nicht alle Kinder.

 

In dieser Hinsicht gibt es aber auch einen positiven Aspekt, denn es kann auch Menschen geben, bei denen es nicht nur bei der Reise bleibt, sondern die sich danach auch in einem Hilfsprogramm engagieren und für bestimmte Themen einsetzen möchten, da sie eben doch auch die Armut im Land betrachtet und nicht nur die tollen Angebote des Reiseveranstalters wahrgenommen haben.

 

Zwar fördert der Tourismus den Erhalt der Kultur der indigenen Völker nicht, aber er kann vor Ort auch Chancen eröffnen. Die sonst vom Staat abhängigen, vertriebenen Menschen können so etwas Geld verdienen und für ihre Familie sorgen, ohne von den Nahrungsmittelverteilungen abhängig zu sein. Als sogenannte „Tourguides“ können viele Menschen der lokalen Gemeinschaft sich mit dem Luxustourismus identifizieren und es macht ihnen Spaß, den Touristen alte Traditionen zu zeigen, wenn auch nur in einem kleinen Maß.

 

Ich persönlich würde aber trotzdem keinen Urlaub dort machen wollen, was zum einen finanzielle, aber auch ethische Gründe hat. Mir persönlich würde es viel mehr Freude bereiten, mir das Land nicht nur anzuschauen, sondern in ehrenamtlichen Projekten zu helfen und so das Land und die Kultur besser kennenzulernen. Ich glaube, dass man durch eine längere Reise durch unterschiedliche Dörfer und der Mitwirkung an verschiedenen Projekten einen viel umfangreicheren und unverfälschteren Eindruck vom Land bekommt als durch eine 15-tägige Reise mit einem Reiseführer, die dazu noch viel mehr kostet.

 

Dennoch ist so eine Reise eine unvergessliche Erfahrung. Vor allem ist es für die Leute interessant, die sehr naturverbunden sind. Die Vielfalt der Natur ist dort sehr groß und auch viele einzigartige Tierarten bekommt man dort zu sehen, wie den afrikanischen Wildhund und viele andere Savannentiere. Neben wissenswerten Safaris könne die Luxusreisen zudem auch einen ersten Einblick in eine völlig neue Kultur bieten.

 

Der Luxustourismus bietet also sowohl Vor- als auch Nachteile. Den größten Profit schlagen aber sowohl der Reiseveranstalter als auch die Regierung heraus. Neben dem Diamantenabbau ist der Tourismus die größte Einnahmequelle des Landes und soll in den nächsten Jahren noch mehr Profit abwerfen. Ob es immer bei dem Motto „geringe Besucherzahlen, aber hohe Preise“ bleibt oder ob sich doch noch der Massentourismus durchsetzt, ist noch ungewiss. Dennoch ist Botsuana ein wunderschönes Land mit vielen atemberaubenden Naturphänomenen und einer einzigartigen Tierwelt!

 

Quellen:

Bierwirth, Joachim et al. (2016)

Terra Erdkunde 3 Gymnasium. Stuttgart: Ernst Klett Verlag.

Wolff, Markus (2008)

GEO Special Namibia und Botsuana Nr.5 Oktober/November

 

Autor: Baan, Matyas, Übersetzt von: Dessewffy, Beate (2020)

Kinder in Botswana https://www.humanium.org/de/botswana/ (10.6.2020)

 

Autor: Großmann, Julia (o.j.)

Tourismus-Boykott soll indigenen Volk retten https://www.geo.de/reisen/reisewissen/1899-rtkl-botswana-tourismus-boykott-soll-indigenes-volk-retten (8.6.2020)

 

Autor: Keitumetse, Susanne (2008)

Kulturtourismus in Botswana https://www.tourism-watch.de/de/kurzmeldung/kulturtourismus-botswana (10.6.2020)

 

Autor: Riebesel, Katharina (2018)

DIE artenreiche Tierwelt in Botswana https://blog.rhinoafrica.com/de/2018/05/08/die-artenreiche-tierwelt-botswana/ (11.6.2020)

 

Herausgeber: Africa Royal Tours GmbH (o.j.)

Botswana –Länderinformationen von A-Z https://www.africa-royal-tours.de/laenderinformationen/botswana-laenderinformationen/ (10.6.2020)

 

Herausgeber: Enchanting Travels AG (o.j.)

Planen sie ihre Botswana Reise https://www.enchantingtravels.com/de/reiseziele/afrika/botswana/ (10.6.2020)

 

Herausgeber: Journaway GmbH (o.j.)

„So strahlt das Land Botswana: Ein Bilderbuch farbenfroher Motive erwartet Sie. Gänsehaut garantiert!“ https://www.journaway.com/de/rundreise/botswanahoehepunkte-mit-caprivi-victoria-faellen-19449 (10.6.2020)

 

Herausgeber: Dirk Lohse (2014)

Reisereportage Botswana https://www.youtube.com/watch?v=f25M7SQsZ5k&feature=share (20.5.2020)

 

Herausgeber: Marketing GmbH (o.j.)

Unterkünfte in Botswana https://botswana.eu/unterkuenfte/ (9.6.2020)

 

Herausgeber: Statista Research Department (2019)

Statistiken zum Luxustourismus https://de.statista.com/themen/4576/luxustourismus/ de.statista (10.6.2020)

 

Herausgeber: Wikipedia (o.j.)

Botswana https://de.m.wikipedia.org/wiki/Botswana ( 9.6.2020)

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