Ursulaschule Osnabrück

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Russischer Städtebotschafter

Seit Beginn des Schuljahres kommen häufig Personen in unser Seminarfach „Russland“ zu Besuch, die auf irgendeine Art und Weise in einem besonderen Kontakt zu Russland stehen. Sie beeindrucken uns mit den Berichten von ihren persönlichen Erfahrungen und wecken in uns mehr und mehr das Interesse für die Vielschichtigkeit dieses uns größtenteils fremden Landes (wir werden im September im Rahmen des Seminarfach nach Twer, russische Partnerstadt Osnabrücks, reisen).

Einen etwas anderen, wie er selbst wahrscheinlich sagen würde „coolen“ Eindruck gab uns nun der neue Städtebotschafter aus Twer, Sergey Loginov. Spätestens als er uns von seinem Hobby „Quest“ erzählte, eine Art nicht immer ganz legale Schnitzeljagd, bei der der eine oder andere Adrenalinkick garantiert ist, hingen alle im Kurs an seinen Lippen.

Vorher gab er einen groben Überblick seines bisherigen Werdeganges, der von seinem Schulabschluss 2014 in Twer über das Amt des Jugendministers Twer, fleißigem Deutschlernen und einem Jurastudium hin zum nächsten Studiengang „Verwaltung von internationalen Projekten“ führte. Im Jurastudium habe er sein Austauschsemester in Osnabrück absolviert und die Zeit in Deutschland viel für Reisen in Europa genutzt, ein weiteres großes Hobby von ihm. Dieser Aufenthalt habe ihm so gut gefallen, dass er sich dazu entschieden habe, ein weiteres Jahr hier als Städtebotschafter zu verbringen. Also begleitet er nun zum Beispiel deutsch-russische Projekte auf der Maiwoche oder eine Delegation nach Russland.

Gefolgt von etwas neidischen Blicken erfuhren wir auch, dass er gemeinsam mit anderen Städtebotschafterinnen ganz in der Nähe des Rathauses wohnt, das für ihn das schönste Gebäude in Osnabrück ist. Etwas irritiert hingegen waren wir dann, als Sergey Loginov uns einen seiner weiteren Lieblingsorte in Osnabrück nannte: das Nettebad. Während dieses in Osnabrücker Jugendkreisen eher als teuer verpönt ist und ihm häufig andere Bäder vorgezogen werden, scheint es für den russischen Städtebotschafter und seine Freunde allerding ein Highlight hier zu sein. Das Nettebad sei total gut ausgestattet und im Vergleich zu russischen Schwimmbädern sehr preisgünstig. So habe ein Besuch dort auch auf seiner Drei-Punkte-Checkliste für seine ersten Aufenthalt in Osnabrück gestanden, neben einem scharfen Döner und einem Weizenbier. Eine, wie wir fanden, interessante Kombination, denn wohl kaum ein Osnabrücker würde seine Stadt anhand dieser drei Punkte vorstellen. Aber als Russe sieht man eine deutsche Stadt vielleicht eben aus einem anderen Blickwinkel.

„In Russland trägt man keine weißen Schuhe“, sagte Loginov später und lobte damit die sauberen Straßen hier. Das sei in Russland anders. Doch auch wenn er Osnabrück anscheinend mag und die Zeit hier genießt, vermisst er etwas. Das sei zum einen sein Auto, das er vor seiner Abreise in Russland verkauft hatte. Nach Deutschland mitgenommen hat er nur sein Fahrrad. Aber er gab zu: So dringend brauche er es hier gar nicht. In Russland seien die Strecken, die man zurücklegen müsse, wesentlich größer, so dass man mehr auf ein Auto angewiesen sei. Eine zweite Sache, die ihm hier fehle, seien Suppen. Mit diesem Punkt sprach er auch das unterschiedliche Essverhalten in beiden Ländern an. In der Mensa in Osnabrück koche man anders, als man es in Russland gewohnt sei. Es gäbe mittags eben häufig keine Suppe. Und während hier beim Kochen viel Wert auf Nachhaltigkeit und ausgewogenen Ernährung gelegt würde, hätte der Russe an diesen Punkten kein großes Interesse, sondern wolle lediglich satt werden.

Nachdem wir dann schon viel über seine Eindrücke hier in Osnabrück gesprochen hatten, kamen wir noch einmal auf die Schulen in Russland zu sprechen. Vor allem die Pausen sähen dort ganz anders aus. Es gäbe in Russland strenge Regeln und das Haupttor sei den ganzen Tag verschlossen. Sogar ein Check-in-System sei mittlerweile eingeführt worden, so dass nicht jeder ohne weiteres das Schulgelände betreten könne. Und trotzdem sei man früher zwischendurch mal durchs Hinterfenster des Klassenraums vom Schulgelände geklettert, verrät uns Loginov, auch wenn es Ärger bedeutete, wenn man erwischt wurde. Aber Ärger habe er früher schließlich auch regelmäßig bei Quest-Wettbewerben, an denen er mit seinen Freunden teilnahm, in Kauf genommen, Da sei er schon an dem einen oder anderen „lost place“ unterwegs gewesen, so zum Beispiel an einer alten Skischanze oder am Rande einer verlassenen Militärbasis.

Unsere Sympathie hat Sergey Loginov in dem Gespräch auf jeden Fall ohne Probleme gewonnen und auch ihm scheint es gefallen zu haben. Gerne wird er ein weiteres Mal vorbeikommen, um uns auch Bilder aus Russland zu zeigen und um mit uns über Politik in Russland zu reden. Ein Angebot, was wir sicherlich nicht freiwillig ausschlagen werden.

Francisca Schürmann

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