Ursulaschule Osnabrück

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Latein (9)

Dialogus de lingua Latina discenda - Ein Gespräch übers Lateinlernen

30.05.2008 – Tag der Offenen Tür an der Ursulaschule – Raum 13-22: Im simulierten Römerlager Kalkriese spielen römische Legionäre aus der Klasse 6a in ihrer Freizeit Brettspiele. Frau Wesseln, seit mehr als 30 Jahren Lateinlehrerin an der Ursulaschule, und Herr Haarmann, seit über einem Jahr an Bord, inspizieren Waffen und Rüstungen ihrer Legionäre und Legionärinnen. Frau Faber und ihr Sohn Marius (10 Jahre) kommen herein und schauen sich um.
Marius wird von Legionärin Carina ins antike Rundmühlenspiel und in den „Ludus XII scriptorum“, ins antike Backgammon, eingeführt, Frau Faber wendet sich an die Lateinlehrer.

Fr. Faber: Ich selbst habe zwar kein Latein gelernt, aber mein Mann sagt immer: „Latein, das war bei mir nur Paukerei von Vokabeln und Formen! Und immer ging es um Krieg und Schlachten. ‚Caesar ließ Geiseln stellen‘ und so weiter“ …
Fr. Wesseln: Das war früher vielleicht oft so. Meine Erinnerungen an den Lateinunterricht meiner Schulzeit, das sind endlose Tabellen von Deklinationen und Konjugationen, viele Formen, die nicht erklärt wurden, sondern einfach nur gelernt werden mussten. Zu manchen Vokabeln mussten wir bis zu sieben Bedeutungen auf einmal auswendig lernen. Es war schon anstrengend, Latein zu lernen. Die Lateinbücher waren auch anders, als sie es heute sind: es gab eigentlich nur Text, vielleicht mal einen lateinischen Spruch oder einen Römerkopf, den wir heimlich, aus Langeweile, mit Schnurrbart und Pfeife verschönerten… (greift zur „Prima“, dem eingeführten Lateinbuch für die Sek I). Es hat sich sehr viel geändert, z. B. …!
Fr. Faber: Darf ich noch kurz dazwischenfragen: Wie viele Schüler lernen denn an der Ursulaschule Latein? 
Fr. Wesseln: Die alten Sprachen sind im Kommen. Das Interesse an Latein wächst überall stetig. Bei uns an der Ursulaschule wählt regelmäßig mehr als die Hälfte aller Schüler in der sechsten Klasse Latein als zweite Fremdsprache, die in vier Stunden wöchentlich unterrichtet wird. Danach gibt es noch die Möglichkeit, Latein als dritte Fremdsprache im Profilbereich ab der achten Klasse zu lernen, natürlich mit höherem Lerntempo, aber auch mit der Möglichkeit, das „Latinum“ als Abschluss zu erreichen. 
Marius (hat beim Spielen mit halbem Ohr zugehört): Warum wollen denn so viele Latein lernen?
Fr. Wesseln: Das ist eine gute, schwere Frage! Die wichtigste Antwort darauf steht da (sie zeigt Marius das preisgekrönte Plakat an der Pinnwand, das Patrick Marbach, jetzt Klasse 9a, für den Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes im März 2008 in Göttingen gestaltet hat,): Latein eröffnet dir Horizonte! Du kannst, wenn du Latein lernst und die Augen aufmachst, weiter sehen und mehr begreifen. Denn Latein ist in unserer Gegenwart an vielen Stellen, an denen du es nicht vermutest, verborgen am Werk. Daher kannst du mit Latein viel von unserer Geschichte und den Wurzeln unserer gegenwärtigen Kultur, von unserer Sprache und den europäischen Sprachen, vor allem den sogenannten romanischen Sprachen verstehen, die so heißen, weil sie ihre römisch-lateinische Herkunft ganz deutlich zeigen. Ich z. B. habe kaum Französisch gelernt. Und trotzdem verstehe ich, weil ich Latein kann, worum es geht, wenn ich in Frankreich oder in Italien eine Zeitung aufschlage.
H. Haarmann
(schlägt das Lateinbuch auf): All das kann man in unseren neuen, bunteren  Lateinbücher wiederfinden. Die Lehrbücher haben sich wesentlich geändert, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Die optische Aufbereitung – das fällt sofort auf - orientiert sich jetzt viel mehr an der Lebenswelt der heutigen Schülerinnen und Schüler. Es werden vielfältige Zusatzmaterialien zu den Texten eingesetzt, z. B. Fotos, Zeichnungen, Comics, Aufrisszeichnungen o.ä. Auch die Typen der Aufgaben und Übungen haben sich deutlich verändert, sie sind vielfältiger und abwechslungsreicher  geworden.
Fr. Faber (stößt beim Durchblättern der „Prima“ auf ein Backrezept für römische Mostbrötchen, später auf eine Szene aus „Der Herr der Ringe“): Stimmt! Caesars Schlachten sind hier nicht die Hauptsache…
Fr. Wesseln: Auch die Inhalte der Texte sind gerade zu Beginn sehr nahe an den Fragen und  Erfahrungen unserer Schülerinnen und Schüler. Es geht um Publius, seine Familie und Freunde. Im Alter von 14 Jahren erhält dieser Junge seine „toga virilis“, seine Männertoga (sie schlägt die Lektion 7 auf). Hier sind wir sofort in einem Vergleich mit der heutigen Lebenswelt der Jugendlichen, mit ihrer Firmung oder Konfirmation als Beginn des Erwachsenenalters. Wie die Entführungsgeschichte um Caesia in den Lektionen 17 bis 20 ausgeht, wird hier natürlich nicht verraten.
H. Haarmann (blättert weiter): Natürlich wird auch Geschichtliches der römischen und europäischen Kultur in den Texten aufgegriffen, es werden aber auch schon spannende existenzielle Fragen gestellt und diskutiert: In der Lektion 30 z. B. geht es um die Gestalt der jungen Frau Antigone, die sich nicht vorgeben lassen will, was sie tun soll, sondern selber fragt: Was ist richtig, was ist falsch, was ist nur menschliches Gesetz,  was ist göttliches Recht?
Diese Vielfalt der Themen und dieses kontrastive Vergleichen prägen erst recht die Kurse der Sekundarstufe II. Da reicht die Spannbreite der Inhalte von vielen Grundsatzproblemen der Philosophie über Aspekte der Geschichtsschreibung und heute ungebrochen aktuellen Fragen der Rhetorik, wie beispielsweise der Zuhörer manipuliert wird und inwieweit er manipuliert werden darf, bis hin zur Liebeslyrik und Ovids „Flirtschule“.
Marius merkt auf und kommt vom Spielbrett zu den Erwachsenen…
Fr. Faber: Aber übersetzt wird im Lateinunterricht doch auch noch?
H. Haarmann: Das Übersetzen ist natürlich nicht das ausschließliche Unterrichtsverfahren. Aber Latein ist und bleibt und wird auch immer ein Sprachfach bleiben. Darum wird auch das Übersetzen immer ganz wichtig bleiben. Aber: wir bemühen uns heute bewusst, im Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern auch Methoden für das, was sie beherrschen sollen, zu erarbeiten und zu trainieren: Das Vokabeln- und Formenlernen wird als methodisches Lernen gelehrt. Gleichzeitig üben wir auch Verfahren für das Erschließen von Texten, für das Übersetzen als Methode und auch natürlich, nach dem Übersetzen, für die Interpretation. Damit wollen wir auch das Sprachvermögen im Deutschen fördern. Dementsprechend haben sich die Unterrichtsverfahren geändert. D. h. es wird nicht einfach von einzelnen Schülern ein Satz nach dem anderen übersetzt. Vielmehr wird in der Gruppe diskutiert, was gut ist, wo Fehler vorliegen, was wie zu verbessern ist. Dadurch hat auch die Zentrierung auf den Lehrer im Unterricht deutlich abgenommen und es wird viel mehr Wert darauf gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig und teamfähig zu arbeiten lernen.
Fr. Wesseln: Das hängt auch mit einem weiteren Aspekt zusammen. Latein ist nämlich so etwas wie die „Mathematik der Sprachen“: Die lateinische Grammatik ist klar und abgeschlossen, neue sprachliche Entwicklungen wie etwa im Deutschen, Englischen oder Französischen finden nicht mehr statt. Darum ist das Fach Latein auch  d a s  Fach der Sprachreflexion und des Sprachvergleichs. An der lateinischen Sprache können wir systematisch deutlich machen, wie Sprache überhaupt funktioniert, und im Vergleich mit anderen Sprachen können wir die Gemeinsamkeit und Veränderung sprachlicher Strukturen reflektieren und Denkmodelle der Sprachen vergleichen.
H. Haarmann: Im Lateinunterricht werden viele Dinge vermittelt, die in zahlreichen  Studiengängen an der Universität vorausgesetzt werden! Darum werden für das Studium dieser Fächer die entsprechenden Latinumsabschlüsse verlangt. Wenn ein Schüler in der Klasse 6 mit Latein beginnt, kann er das Kleine Latinum nach Klasse 9, das Latinum nach Klasse 10 und das Große Latinum am Ende des 12. Jahrgangs erreichen und muss nicht erst nachträglich während des Studiums viel kostbare Studienzeit, Nerven und oft genug auch Geld dafür aufbringen.  
Marius (hat nach einer Runde Rundmühle auf einem Tisch einen Stapel illustrierter Schülerarbeiten entdeckt und darin geblättert. Er kommt mit einem futuristisch gestalteten Heft zur Gruppe): Guck mal, Mama, da geht es ums Internet, um „Second Life“!
Fr. Wesseln: Das sind Arbeiten von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, aus den Kursen, die wir früher Leistungskurse nannten und die heute „Kurse auf erhöhtem Niveau“ heißen. Nachdem Schülerinnen und Schüler im Laufe der Mittelstufe gründliche Kenntnisse und Interesse am Latein und an den Inhalten des Lateinunterrichts gewonnen haben, können sie Latein als einen ihrer Schwerpunkte in der Oberstufe und in der Abiturprüfung wählen. Latein erweist sich unter den Bedingungen des Zentralabiturs als ein ausgesprochen kalkulierbares Fach, das manchmal leichter zu lernen und zu beherrschen ist als eine moderne Fremdsprache.
Marius (nimmt eine der Schülerarbeiten in die Hand und fragt fast ehrfurchtsvoll): Sowas machen die im Abitur?
H. Haarmann: Nein, Marius, keine Angst! Aber wir Lateinlehrer freuen uns sehr darüber, dass viele Lateinschülerinnen und –schüler der Oberstufe nicht nur erfolgreich ihre Abiturprüfung ablegen, sondern darüberhinaus seit Jahren auch regelmäßig an Wettbewerben teilnehmen. In diesem Jahr haben vier Schülerinnen der Ursulaschule im Latein- und Griechisch-Wettbewerb in Niedersachsen mit ihren hoch interessanten Arbeiten, die du da vor dir siehst, sensationelle Erfolge errungen, von denen in diesem Jahresbericht auch berichtet wird. Zwei von ihnen haben sich durch diese Erfolge schon jetzt die Finanzierung ihres Studiums gesichert!
Marius (will sich gerade setzen und in den anderen Wettbewerbsarbeiten blättern, da kommt Legionärin)
Carina (und zieht Marius mit sich): Vade mecum! Komm mit, ich zeig dir das Plakat mit dem „Gelbe-Telefonbuchseiten-Latein“, das wir gemacht haben. Da kannst du sehen, wie viel Latein du jetzt schon kannst… Du heißt „Faber“ mit Hausnamen? Sollen wir mal nachsehen, ob das Latein ist und was das heißt?    
Fr. Faber verabschiedet sich und will mitgehen, da ruft schon
Marius: Mama, stammen wir eigentlich von den Römern ab? „Faber“ ist nämlich lateinisch! Auf Deutsch müssten wir „Handwerker“ heißen!

Am 7. Juni 2016 machten sich die Latein-Klassen der Jahrgangsstufe 7 mit ihren Lehrern (Hr. Haarmann, Fr. Logemann und Fr. Schlöter) auf den Weg zum archäologischen Park in Xanten. Zuerst haben wir an einer Führung im Römer-Museum teilgenommen. Dort haben wir vieles über die römische Stadt „Colonia Ulpia Traiana“ erfahren. Zu sehen gab es dort die alten römischen Thermen.

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Eine Nacht im Museum – Teil 1? Die 6c wagt das Unfassbare: 24 Stunden zwischen Archäologen, Römern, Germanen und Monstern.

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Das RAC (RERUM ANTIQUARUM CERTAMEN) 2011/2012, der Latein- und Griechisch-Wettbewerb des Niedersächsischen Altphilologenverbandes,  ist abgeschlossen, auch für

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Wieder eine bärenstarke Siegerin der Ursulaschule im „RAC 2011/12“, dem Latein- und Griechisch-Wettbewerb des Niedersächsischen Altphilologenverbandes!

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Am Montag, den 12.09.2011 begaben sich die Lateinkurse der Jahrgänge 9 und 10 auf Spurensuche in den Archäologischen Park Xanten. Hier erlebten wir einen ereignisreichen und spannenden Tag zusammen. In einer Führung erfuhren wir aufschlussreiche Dinge über Kriminalität und Verbrechensbekämpfung im alten Rom. Auch der Park hatte viel Interessantes zu bieten: einen Tempel, ein Amphitheater, einen antiken Baukran, begehbare Wachtürme, eine Herberge mit eingerichteten Schlaf- und Speiseräumen und einem Badehaus und anderes mehr.

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Impressum

Ursulaschule Osnabrück

Kleine Domsfreiheit 11-18
49074 Osnabrück
Telefon: 0541 - 318701
Fax: 0541 - 318711
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Schulleiter: Rolf Unnerstall

Schulträger

Schulstiftung im Bistum Osnabrück
Domhof 2
49074 Osnabrück

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