Im Mai 1976 ist’s geschafft – das Abitur. Erleichtert kehren wir der Schule den Rücken, freuen uns auf die Dinge, die da kommen werden, und wer weiß, vielleicht wird das eine oder andere auch lieber vergessen. Nun ist ein halbes Jahrhundert vergangen, wir sehen unsere Schulzeit gelassen und kehren gern wieder zurück, in Erinnerungen, aber auch ganz physisch in die Schule. Ganz neu kennen gelernt haben wir sie, die Ursulaschule, an diesem Samstag. Die Führungen von Herrn Klauss und Herrn Sticher waren sehr informativ und kurzweilig, durchaus für beide Seiten – auch für ehemalige Lehrer kann es noch, wie sich herausstellte, Erkenntnisgewinn zu ihrer Wirkungsstätte geben. Von den Neuerungen sind wir begeistert. Der Schulgarten mit Sommerklassenzimmer und einem vielfältig nutzbaren Platz am Ufer der Hase, eine Art Bühne eigentlich – absolut super. Die Physik- und Biologieräume sowie die Aula mit Profi-Bühne (nur: wo ist die Theater-AG geblieben?) – erstklassig. Der Kunstraum und die lange Galerie im ersten Stock – herausragend. Und bei alledem: Der eine oder andere Gang und die Treppenhäuser riechen noch genauso wie vor 50 Jahren. Ruckzuck fragt man sich, ob man auch wirklich alle Hausaufgaben gemacht hat. Ob wohl noch Zeit zum Abschreiben bleibt? Das sind so Fragen. Später beim gemeinsamen Abendessen geht es noch mal lebhaft zu. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Privates und die Weltlage – alles wird diskutiert. So ein Klassenverband ist eben doch ein bisschen wie Familie. In fünf Jahren treffen wir uns wieder. Ach was, in zweien! Spätestens. Und hoffentlich können dann auch die kommen, die dieses Mal nicht kommen konnten.
Text: Sabine Stadtfeld
Foto: Manfred Klauss

