Die Judenbuche und der Polizistenmord

Am 31. Januar 2022 sind im rheinland-pfälzischen Kusel zwei junge Polizist:innen kaltblütig erschossen worden: Alexander K. (29) und Yasmin B. (24). Die Tat haben zwei Wilderer begangen, die kurze Zeit später gefasst worden sind. Die Verhandlungen dauern noch an (Stand: 19.05.2022). Genau zu der Zeit behandelte die Klasse 8d im Deutschunterricht die Novelle „Die Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff (1842). Hier ein kleiner Beitrag von einer Schülerin und einem Schüler (Anna Marie Kampers und Mark Weber):

In der Novelle „Die Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff (1842) wird ein Mordfall eines Försters namens Brandis geschildert. Der Förster war mit seinen Gefährten auf der Suche nach den sogenannten „Blaukitteln“, die Jagd- und Holzfrevler sind. Holz- bzw. Jagdfrevler nennt man Leute, die unrechtmäßig Holz fällen und dementsprechend auch Wilderei betreiben. Der Förster trifft auf die Hauptfigur Friedrich Mergel, der insgeheim für die Blaukittel Schmiere steht. Dieser schlägt ihm die falsche Richtung in den Wald vor, in die der Kriminellen. Später wird Brandis tot aufgefunden, mit einer Axt im Schädel, vermutlich von den Blaukitteln.

Nach unseren Maßstäben ist das Verständnis von Recht und Ordnung für damals sehr primitiv. Die Novelle spielt – anders als der Vorfall in Kusel – in Westfalen und das Dorf ist sehr unzivilisiert. Es heißt in dem Buch, dass, wenn jeder nach seiner Moral handelt, nicht Unrecht tut. Unserer Meinung nach ist der Vorfall im Buch dem Vorfall in Kusel erschreckend ähnlich. In beiden Fällen sind die Opfer von Wilderern ermordet worden. In dem Dorf, das als Schauplatz für die Judenbuche dient, mögen solche Morde einigermaßen normal scheinen, aber heutzutage ist die Vorstellung, dass eine solche Tat nur wegen Wilderei begangen werden kann, erschreckend. Dies scheint zu zeigen, dass in den damaligen Verhältnissen in bestimmten Gebieten die Menschen sich selbst um ihre Angelegenheiten gekümmert und ihre Probleme aus der Welt geschafft haben. Es hat scheinbar keine richtigen Regelungen oder Ordnungen in Dorf B. (Bellersen), dem Handlungsort, gegeben.

Dies sollte aber in dem heutigen gegenwärtigen Deutschland anders sein. Eine Verbindung zwischen der Judenbuche und dem Mordfall in Kusel ist in jedem Fall spürbar. Die beiden Polizisten sind erschossen worden, damit die beiden Täter entfliehen und nicht für die Wilderei bestraft werden konnten. In der Judenbuche ist es ähnlich. Die Blaukittel haben den Förster Brandis ermordet, damit sie nicht für das Holzfreveln bestraft werden.

Daran merkt man, dass die Novelle heutzutage immer noch eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt (also spielen sollte!) und Literatur nicht einfach so zum Spaße dient, sondern uns – wie die Geschichte auch – Lehren ziehen lassen kann und warnt. Wir gedenken hier aller Polizist:innen, die tagtäglich ihr Leben für unsere Sicherheit aufs Spiel setzen. Auch gedenken wir allen Kriegsopfern auf der ganzen Welt mit dem Wunsch, dass alsbald Frieden herrscht.

Text (Vorspann) und Foto: Furkan Şahin
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