Vom 26. bis zum 28. August besuchten wir, das Seminarfach „Erinnerungskultur”, gemeinsam mit Herrn Niemeier und Frau Malcherek die Wewelsburg. Einst im 17. Jahrhundert als Residenzschloss der Fürstbischöfe von Paderborn erbaut, diente die Anlage von 1933 bis 1945 der SS, der selbsterklärten ideologischen Elite des NS-Regimes, als zentrale Ordensburg und Weihestätte. Auch ein Konzentrationslager war direkt angeschlossen.
Vor Ort angekommen, erwartete uns im Burginnenhof anstelle der erwarteten beklemmenden Atmosphäre eine quirlige Grundschulklasse auf Schnitzeljagd. In den historischen Gemäuern ist heute eine Jugendherberge untergebracht, in der auch wir Quartier bezogen. Unser Augenmerk richtete sich jedoch weniger auf mögliche Hinweise für eine Schnitzeljagd, als vielmehr auf die Geschichte der SS, ihre Aktivitäten auf der Wewelsburg und die Verbrechen des Nationalsozialismus. Unter der fachkundigen Anleitung von Mareike Antepoth erhielten wir die Möglichkeit, mit verschiedensten Primärquellen aus dem Archiv und der Ausstellung der Wewelsburg zu arbeiten. Die Bandbreite der Quellen reichte von Objekten wie dem „Julleuchter” und Häftlingskleidung über Ausgaben der SS-Zeitung „Das Schwarze Korps” bis hin zu zahlreichen Akten über die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen nach 1945.
Neben der intensiven Quellenarbeit nahmen wir an einer Führung durch die Burg selbst, die Gedenkstätte und den Ort Wewelsburg teil. Ein besonderer Schwerpunkt war das ehemalige Konzentrationslager Niederhagen- Wewelsburg. Obwohl das ehemalige Lagergelände nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend überbaut wurde, konnten wir dank einer digitalen Rekonstruktion mittels VR einen Einblick in den Aufbau des Lagers und die Lebensbedingungen der Häftlinge gewinnen. Der dreitägige Besuch war für uns eine eindrückliche Erfahrung, die gezeigt hat, dass Erinnerungskultur kein abstraktes Schulfach ist, sondern sich an konkreten Orten und in historischen Quellen unmittelbar erfahren lässt.
Text: Sarah Weisemöller
Foto: Maik Niemeier

