Seminarfach Care and Compassion

Es ist schon beeindruckend, wenn Schüler*innen sich einmal die Woche Zeit nehmen, um im Pflegeheim, in der Tagespflege, im Inklusionstreff, im Kindergarten oder Krippe, in der Bahnhofsmission oder bei Balu und Du sich für andere Menschen zu engagieren, und mit ihnen ein Stück Alltag leben oder ihnen ihre Hilfe anbieten.

Und das über ein gesamtes Schuljahr hinweg seit Herbst 2021. Dies machen sie, die Schüler*innen des Seminarfachs Care and Compassion in der Jahrgangsstufe 12 (Leitung des Seminarfachs: Christa Prior). In dieser Zeit haben sie viel erlebt und viel erfahren – über andere Menschen und über sich selbst. Und sind teilweise dabei ganz schön über sich selbst hinausgewachsen. Darüber berichten sie in den folgenden Beiträgen:

Adriana Klostermann

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Hallo zusammen, mein Name ist Adriana Klostermann und ich besuche seit September 2021 den Seminarkurs „Care and Compassion“. In diesem Kurs geht es vor allem darum, sich ehrenamtlich in einer sozialen Einrichtung in Osnabrück zu engagieren und mit neuen Menschen in Kontakt zu treten. Dabei lag die Wahl, mit welchen Menschen wir in Kontakt treten wollen, ganz bei uns SchülerInnen.

Für die Antwort auf die Frage, mit welchen Menschen ich die Zeit gerne verbringen wollen würde, brauchte es gar nicht lange – mir war sehr schnell klar, dass ich gerne mit Kindern arbeiten möchte.

Dabei habe ich mich besonders darauf gefreut, noch einmal mitzuerleben, wie die Welt aus den Augen eines Kindes aussieht. Seit Dezember 2021 begleite ich nun die Krippenkinder (im Alter von ein bis drei Jahren) in ihrem Alltag in der AWO Kindertagesstätte Holzhausen. Einmal wöchentlich begebe ich mich in die Rolle einer Erzieherin und stehe den Kindern bei neuen Ereignissen und Herausforderungen zur Seite. Hierbei bereite ich jedes Mal ein Angebot vor, was ich dann mit den Kindern der Regenbogenkrippe durchführe. Am meisten Spaß macht es mir hierbei, mit den Kindern zu basteln oder zu malen. Es ist schön zu sehen, wieviel Spaß es den Kindern macht, sich kreativ auszuleben und selbst etwas Neues zu schaffen.

Aber auch der Umgang mit den Kindern in Alltagssituationen ist einer der schönsten Parts. Die Dinge, die wir als selbstverständlich ansehen, schätzen Kinder viel mehr Wert. Eine Situation, die mir diesbezüglich gut in Erinnerung geblieben ist, war die mit einem Mädchen meiner Gruppe. Als wir die Fensterbilder, welche die Kinder vor den Ferien gemalt haben, zusammen abgewaschen haben, um Platz für neue Bilder zu schaffen, war sie von dem Umgang mit dem Schwamm und dem Wasser ganz begeistert. Als sie beim Abwaschen herausgefunden hat, dass der Schwamm in der Lage war Wasser aufzunehmen und abzugeben, sah man die Faszination förmlich in ihren Augen. Dabei ist dies nur ein Beispiel für die vielen Situationen, in denen die Kinder beginnen, die Welt zu verstehen.

Darüber hinaus konnte ich sehr nahe miterleben, wie schnell sich die Kinder weiterentwickeln. Den Spruch „Du bist aber groß geworden!“ hat bestimmt schon jeder einmal von einem Großelternteil gehört und sich gefragt, was so besonders daran ist– schließlich wächst ja jeder im Kindes-& Jugendalter. Doch nachdem ich beobachten durfte, wie Krabbelkinder anfangen zu laufen oder Kinder anfangen zu sprechen und lernen ihre eigenen Gefühle auszudrücken, weiß ich, wie beeindruckend es sein kann jemandem beim Wachsen zuzusehen.

Deswegen glaube ich, dass meine Zeit in der Krippe nicht nur den Alltag der Kinder etwas interessanter macht, sondern auch, dass ich noch viel von den Kindern lernen kann. Diesbezüglich freue ich mich umso mehr, auf die kommende Zeit, die ich noch in der Krippe verbringen darf.

Eva Hagedorn

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Liebe Schulgemeinschaft,

im Rahmen des Seminarfachs „Care and Compassion“ engagiere ich mich seit Anfang 2022 jede Woche  für 1.5 Stunden im Seniorenheim St. Franziskushaus Bad Iburg. Dort unterstütze ich das Personal in der Betreuung, indem ich mit den HausbewohnerInnen Zeit verbringe. Ein typischer Freitag sieht dann so aus, dass ich mich mit den SeniorInnen unterhalte, mit ihnen etwas bastele, ein Spiel zur Gedächnisförderung spiele oder das Highlight: mit ihnen in den Garten gehe. Somit ist große Vorbereitung meist gar nicht notwendig. Denn die SeniorInnen freuen sich einfach, wenn jemand Zeit mit ihnen verbringt!

Häufig hat man noch die Gruselvorstellung einer alten Senioreneinrichtung im Kopf, wo es nach Urin riecht und jede/r BewohnerIn in seinem Zimmer vereinsamt. Somit ist es für mich eine Bereicherung, dass meine persönlichen Erfahrungen gezeigt haben, dass es nicht überall so ist. Es ist faszinierend zu sehen, auf welcher persönlichen Ebene das Personal im St. Franziskushaus mit den SeniorInnen umgeht und mit wie viel Mühe und Nähe auf sie zugegangen wird. Des Weiteren wird durch das Hausgemeinschaftskonzept dafür gesorgt, dass die SeniorInnen viel Normalität und Selbstständigkeit beibehalten können. Insgesamt wird mir bewiesen, dass wir große Fortschritte in dem Bereich der Altersversorgung machen, was hoffentlich auch die gesellschaftliche Angst vor Unselbstständigkeit und Altersschwäche lindern kann. Dass man mit Abbau körperlicher Funktionen im zunehmenden Alter hier konfrontiert wird, ist selbstverständlich. Und auch mit Motivationslosigkeit oder Einsamkeit muss man umgehen können, was durchaus eine Herausforderung sein kann. Allerdings darf man den Fokus nicht zu sehr hierauf setzen, sondern auf das Ziel,  Möglichkeiten finden zu wollen, das verbleibende Leben so schön wie möglich zu gestalten.

Die SeniorInnen haben sehr verschiedene geistige und körperliche  Fähigkeiten. Für mich war es daher eine Herausforderung, allen 12 BewohnerInnen in meiner kurzen Zeit dort gerecht zu werden, da natürlich auf jeden individuell eingegangen werden muss. Allerdings kann ich durch ihre  Einschränkungen das Leben auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Es ist eine Bereicherung zu sehen, wenn ein stark dementiell Erkrankter ein ganzes Lied auswendig singt oder eine zuvor Rollstuhlgebundene wieder beginnt, mit Hilfe zu laufen. Somit kann auch ich von der Zeit dort profitieren! Doch das Schönste sind die SeniorInnen, die sich freuen, wenn ich komme. „Schön, dass du da bist“, „Pass auf dich auf“, „Komm bald wieder“ sind Sätze denen ich häufig begegne. Im Laufe der Zeit habe ich die einzelnen BewohnerInnen recht gut kennenlernen können. Sie kommen mir mit viel Offenheit und Vertrauen entgegen und vor allem mit Dankbarkeit.

Insgesamt bin ich mir sicher, dass die SeniorInnen und ich gleichviel von diesem Projekt profitieren können und besonders ich viel gelernt habe. Gerade während Corona bekommen die BewohnerInnen weniger Besuch, sodass es mir eine große Freude und Ehre ist, dazu beizutragen, den Alltag dort etwas zu verschönern!

Charlotte Kreutzer

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Im Rahmen meines Seminarfachs „Care and Compassion“ engagiere ich mich einmal wöchentlich ehrenamtlich für 1,5 Stunden in der Patsy & Michael Hull Foundation. Diese setzt sich seit 2003 für Menschen mit Behinderung und für Inklusion durch Tanz und Bewegung ein. Seit 2018 gibt es dort auch ein EUTB-Beratungsbüro für Menschen mit Behinderung.

Ich persönlich kenne die Patsy & Michael Hull Foundation durch mein Hobby, dem inklusiven Tanzen, was in der Tanzschule Hull stattfindet. Mit den inklusiven Hip Hop Gruppen fahren wir regelmäßig zu nationalen und internationalen Turnieren, wodurch ich schon erste Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Behinderung sammeln konnte. Diese erweitere ich nun in meinem Einsatz in der Patsy & Michael Hull Foundation.

Dienstags findet dort in der Zeit von 15-20 Uhr ein Inklusionstreff statt, zu dem jede Person kommen kann, die Lust hat, sich in einer Gruppe auszutauschen und verschiedene Aktionen zu unternehmen. Beispielsweise kochen wir, spielen Spiele, führen Gespräche oder unternehmen Ausflüge.

Meine Einsatzzeit ist sehr flexibel, da die Teilnehmer meistens erst zwischen 16 und 17 Uhr kommen. Am Anfang meines Einsatzes haben wir uns aufgrund von Corona nur über Zoom getroffen, weswegen wir zu der Zeit nur geredet und kleine Spiele wie „ich packe meinen Koffer“ gespielt haben. Ein großer Vorteil war für mich, dass ich die Teilnehmer von den Zoom-Meetings schon kannte, als wir uns Anfang März endlich persönlich getroffen haben. Meine Aufgabe besteht darin, mich mit den Menschen zu unterhalten oder Aktionen anzuleiten. Unter anderem durfte ich bei einem unserer Treffen die Batik-Aktion anleiten, was für mich eine sehr interessante und lehrreiche Erfahrung war. Hierbei habe ich festgestellt, dass Kommunikation ein sehr wichtiger Bestandteil bei der Arbeit mit Menschen ist. Zudem habe ich gelernt, mit verschiedenen Situationen umzugehen und mein Verhalten der jeweiligen Situation anzupassen.

Wenn wir kochen, besteht die Schwierigkeit darin, dass nicht jeder Mensch die motorischen Fähigkeiten besitzt, beispielsweise Gemüse allein mit einem Messer klein zu schneiden. Hierbei unterstützen wir uns gegenseitig, sodass jeder teilhaben kann und zusätzlich für seinen persönlichen Alltag etwas lernt.

In Situationen, die mich überfordern oder ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, steht mir meine Anleiterin zur Seite, die ich jederzeit um Hilfe und Rat bitten kann, was mir dazu verhilft, die Situation zu reflektieren und damit umgehen zu können.

Die Arbeit mit vielen verschiedenen Menschen ist sehr abwechslungsreich und lehrreich, was mir sehr gut gefällt und mir Spaß macht. Wir alle lernen voneinander durch kreative Ideen und Umsetzungen.

In alltäglichen Situationen profitiere ich davon, dass ich durch meine neuen Erfahrungen, in stressigen Situationen ruhiger bleiben und den Überblick behalten kann.

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Wer wir sind

Das Gymnasium Ursulaschule, 1865 von Ursulinen gegründet, ist eine katholische Schule in Trägerschaft der Schulstiftung im Bistum Osnabrück. Wir sind ein staatlich anerkanntes Gymnasium und nutzen darüber hinaus als freie Schule unsere vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten.

Der einzelne Mensch steht bei uns im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns. Im Dialog mit anderen gelangen unsere Schülerinnen und Schüler zu eigenen Erkenntnissen und Wertvorstellungen, lernen selbstständig zu urteilen und zu handeln.

Kontakt

Ursulaschule Osnabrück
Kleine Domsfreiheit 11-18
49074 Osnabrück
0541-318701
sekretariat@ursulaschule.de