An einem Fastentag für 125 Personen Tische und Bänke in der Aula aufzustellen und zu dekorieren, war für die muslimische Schüler*innengruppe aus Jahrgang 11 gar keine leichte Aufgabe. Und so war es gut, dass es schon beim Aufbau zum zweiten interreligiösen Fastenbrechen am 27. Februar tatsächlich interreligiös zuging, denn spontan kamen auch jüdische und christliche Schüler*innen dazu und halfen mit.
Eingeladen hatte wie im letzten Jahr das Forum Muslimischer Eltern und Schüler*innen am Gymnasium Ursulaschule. In diesem Jahr gab es einen ganz besonderen Anlass, da die christliche und muslimische Fastenzeit zeitgleich starteten: Der Abend des Aschermittwochs war der Beginn des ersten Ramadans und auch ein jüdischer Fastentag, das Estherfasten am 2. März, fiel in die gemeinsamen Fastenwochen. Zu dem gemeinsamen Abend fanden sich dann 130 Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern, Vertreter*innen des Bistums, der Jüdischen Gemeinde und des Instituts für Islamische Theologie sowie Ehemalige in der Aula ein und ließen sich von Sana (Schülersprecherin, Jg. 11) und Hana (stellv. Jahrgangssprecherin, Jg. 13) durch das Programm führen.
In einem trialogischen Podiumsgespräch zwischen unserem Lehrer für jüdische Religion, Herrn Dobrovych, der muslimischen Schülerin Ilayda (stellv. Schülersprecherin, Jg. 12) und dem christlichen Vater Herrn Heuer, ging es um Fastentraditionen und die Sichtbarkeit von Religion in der Schule. Ilayda, die sich als „Bistumskind“ bezeichnete, beschrieb es als eine wertvolle Erfahrung, in ihrer Schulzeit die christlichen Traditionen miterlebt zu haben, die an der Drei-Religionen-Grundschule und der Ursulaschule gepflegt werden. Herr Dobrovych berichtete von den Erfahrungen mit seinen muslimischen Jugendfreunden, die ihn darin bestärkten, sich intensiver mit seiner eigenen Religion zu beschäftigen. Er machte auf die vielen Gemeinsamkeiten von Islam und Judentum aufmerksam, die unter anderem beim Fasten deutlich werden: So wird auch an den jüdischen Fastentagen auf Essen und Trinken verzichtet und am Abend gemeinsam das Fasten gebrochen. Dr. Martin Kellner vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück sprach über die spirituellen Dimensionen des Fastens als eine Form der Befreiung der Seele und der Einübung von Geduld und Dankbarkeit. Das Osnabrücker El-Raudha-Ensemble begleitete den Abend mit islamischem Lobgesang auf Arabisch und Deutsch und unser Schulseelsorger Maik Stenzel trug das Lied „Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt“ (Diethard Zils) vor, welches an das Psalmwort „ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen“ angelehnt ist. Die Psalmen, so Herr Stenzel, verbinden Christentum, Judentum und Islam.
Im Verlauf des gesamten Programms wurden sowohl die gemeinsamen Anliegen der Religionen – in dem, was sie den Menschen wünschen – als auch die biographischen Verflechtungen von Muslimen, Christen und Juden in unserer interreligiösen Gegenwart sichtbar. Für Dr. Michael Schober, Diözesanbeauftragter für den interreligiösen Dialog, wurde das Fastenbrechen so zu einem Zeichen der „vorösterlichen Hoffnung in schwierigen Zeiten“ und einer unserer jüdischen Schüler bezeichnete den Abend als ein „Fest der Religionen“.
Nach dem sehnlich erwarteten Adhan (islamischer Gebetsruf), der mit dem Beginn des Abendgebets das Ende des Fastentages ankündigte, erkannten insbesondere die jüngeren Teilnehmer*innen im Buffet den eigentlichen Höhepunkt der Veranstaltung und verzehrten mit großer Begeisterung Kibbeh, Schawarma, Sambusak, Kunafa und die anderen Köstlichkeiten, die das syrische Catering bereitgestellt hatte. Eine von der Jüdischen Gemeinde bestellte koschere Variante wurde ebenfalls angeboten.
Das Forum Muslimischer Eltern und Schüler*innen am Gymnasium Ursulaschule dankt der Dr. Buhmann-Stiftung für interreligiöse Verständigung sowie der Almustafa-Stiftung für die finanzielle Unterstützung, den Helfer*innen und allen, die als Gäste gekommen sind und damit zum Gelingen dieses wundervollen Abends beigetragen haben. Insbesondere dankt das Forum der Schulleitung, dass sie diese Veranstaltung ermöglicht, und dem Förderverein für die organisatorische Unterstützung. Als Ausdruck dieser Dankbarkeit und dem Wunsch, der Ursulaschule etwas zurückzugeben, hatten die muslimischen Eltern im Vorfeld 300€ als Spende gesammelt, die am Abend dem Förderverein übergeben wurde.
Text: Dr. Silvia Horsch (Lehrerin für Islamischen Religionsunterricht),
Ayse Cindilkaya (Elternvertreterin)
Fotos: Foto-AG, Pakinam Fawzy






